Sinnsuche II

Die Suche nach dem Sinn im Leben ist in etwa so wie die Suche nach dem perfekten Urlaub. Schwer zu finden. Man sagt ja, das Leben sei eine Reise. Aber wenn ich auf eine Reise gehe, weiß ich doch normalerweise das Ziel. Nur, was ist das Ziel des Lebens? Der Tod, ok. Und sonst? Ist da noch was? Irgendwas das mir sagt, dass es gut war, diese Reise unternommen zu haben?

Es kommt mir vor, als hätte ich einen wahnsinnig langen Urlaub vor mir, aus dem ich das Beste machen will, der sich lohnen soll. Und nun stehe ich vorm Reisebüro, starre auf die Angebote und habe das Gefühl, da ist nichts für mich dabei. Ich muss zugeben, nicht genau zu wissen, was ich eigentlich will für meinen Urlaub, macht die Sache nicht leichter. Also schaue ich, was andere so gebucht haben:

Da sind die, die sich für eine Kaffeefahrt durchs Leben entschieden haben. Mit ein paar Gleichgesinnten freuen sie sich über die günstig erstandene Heizdecke und schauen ansonsten aus dem Fenster, was da so nettes vorbeizieht. Vielleicht machen sie aber auch ein Nickerchen. Ist ja anstrengend genug, so ein Ausflug. Beneidenswert, diese Genügsamkeit.

Oder die Pauschalurlauber. All inclusive. Da weißt du was du hast. Abgeschottet in der Anlage, frühzeitig das Handtuch auf die Liege am Pool legen, am Buffet den Bauch vollschlagen und abends vom Animationsprogramm unterhalten werden. So ein Urlaub bietet größtmögliche Sicherheit. Keine bösen Überraschungen, ab dem 2. Tag bekannte Gesichter und der Barkeeper kennt deinen Lieblingscocktail. So ein Leben als Pauschalreise, bei dem man 30 Jahre in derselben Firma arbeitet, bei Aldi den Wocheneinkauf macht und abends beim Zappen durchs Fernsehprogramm gemütlich auf der Couch einschläft, bietet mir allerdings zu wenig Abwechslung. Ich kriege Hummeln im Hintern, wenn ich zu lange dasselbe sehe oder tue. Also weiter.

Vielleicht der Abenteuerurlaub? Ständig auf Achse, auf der Suche nach dem Unbekannten und nie wissen, was hinter dem nächsten Busch auf einen wartet. Klingt aufregend. Aber auch gefährlich. Zuviel Risiko und Ungewissheit ist nun auch wieder nicht mein Ding.

Eigentlich ist alles, was ich für meinen Urlaub will: etwas erleben. Erinnerungen sammeln. Staunen. Lachen. Weinen. Um hinterher auf einen bunten Korb voller Eindrücke blicken zu können.Ich will am Ende der Reise ganz viele Momente in meiner Erinnerung haben, zu denen ich sagen kann: das war schön! Das war aufregend! Das war inspirierend! Beängstigend! Lustig! Erfüllend! Traurig! Bewegend! Ich will Momente, in denen ich lebendig war. Dann ist es ja eigentlich auch egal, wo genau ich war. Dann wäre der Weg das Ziel. Und am Ende ginge es nicht darum, etwas erreicht, sondern etwas erlebt zu haben. Und diese Art des Reisens hätte auch einen entscheidenden Vorteil: man muss das Leben nicht ständig fragen: Wann sind wir da?

 

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