Liebesbrief an die Wärmflasche

Geliebte Wärmflasche,

wenn mir früher Leute sagten, sie gehen nie ohne Gummi ins Bett, hielt ich sie für spießig. Heute kann ich mir eine Nacht ohne dich nicht mehr vorstellen.

Als ich dich das erste Mal unter meine Bettdecke ließ, war mir nicht bewusst, in welche Abhängigkeit mich dies führen würde. Wie konnte ich ahnen, dass ein so hässliches Ding mir so die Nacht verschönern kann? Verzeih mir diese Worte, aber mit dieser roten Gummihaut und diesem riesigen Stöpselhals siehst du aus wie ein gerupftes Huhn.
Dazu umgibt dich immer noch eine Aura von Krankheit und Schmerz. Kein schöner Anblick. Auch eine Verkleidung als Frosch oder Schaf ändert nichts daran. Doch aufs Aussehen kommt es bei dir nicht an. Du bist der Beweis dafür, dass innere Werte zählen.

Schon wenn ich dich kurz vorm Schlafengehen abfülle, erfasst mich ein wohliges Gefühl von Vorfreude auf das was gleich zwischen uns passieren wird. Immer wieder aufs Neue freue ich mich auf unser kleines Ritual, wenn du ein paar Sekunden eher unter der Decke verschwindest, während ich noch das Fenster öffne und du mir schon mal ein kleines Fleckchen anwärmst, damit die Kälte des unbesetzten Bettes mich nicht ganz so brutal trifft. Dieses Fleckchen bedeutet mir so viel. Und dann ist er da, der Moment, in dem du auf mir liegst, dich an mich schmiegst und mir zu verstehen gibst, dass du jetzt nur für mich da bist. Du gibst, ohne zu nehmen. Welch Wonne erfüllt mich, wenn wir so daliegen, Haut an Haut. Ich spüre, wie heiß du innerlich bist, verbrenne fast unter deiner Berührung. Wenn du mich anstrahlst und diese kalte Höhle unter den Daunen nach und nach in ein wohlig-warmes Nest verwandelst, dann weiß ich, warum es dich gibt. Wenn ich dein leises Gluckern neben mir vernehme, dann weiß ich, ich bin nicht allein. Ohne dich wären die Nächte einsam und eisig. Nie mehr möchte ich dich missen. Dich stören weder mein ausgeleierter Frottee-Pyjama, noch meine babyblauen Wollsöckchen. Und du bist immer noch da, wenn ich morgens aufwache. Schlaff und lauwarm liegst du neben mir in deiner fleischfarbenen Nacktheit. Es ist genau diese Vertrautheit, fernab von Peinlichkeit, die ich so liebe.

Und nur manchmal, in seltenen Momenten, wünschte ich, du hättest Ohren. Und Arme, die auch mich mal halten. Aber das ist wirklich nur manchmal.

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2 Kommentare zu „Liebesbrief an die Wärmflasche“

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