Archiv der Kategorie: Das öffentliche Leben

Mein Waschbrett ist ein Frontlader

Ich habe genug von dem Versteckspiel“, vermeldete mein Bäuchlein eines Morgens. Ich stand vor dem Spiegel und blickte auf eine deutliche Wölbung in meiner Mitte. „Was soll das heißen?“, fragte ich überrascht. „Nun, das soll heißen, dass ich mein Schattendasein beenden werde“ sagte mein Bäuchlein aus tiefer Überzeugung. „Ich komme mir vor wie ein Geheimagent. Seit Jahren muss ich mich im Hintergrund halten, im Verborgenen arbeiten. Ich lebe pausenlos in Angst entdeckt zu werden. Damit ist jetzt Schluss. Ob es dir passt oder nicht, ich lasse mich nicht länger verleugnen.“ Das war nicht zu übersehen, mein Bauch hatte sich zu einer auffälligen Rundung geformt. „Aber deshalb musst du dich doch nicht gleich so hängenlassen“, sagte ich in der Hoffnung, über das Ausmaß seiner Entscheidung noch verhandeln zu können. „Ich lasse mich nicht hängen, ich bewege mich nur in der mir zustehenden Komfortzone“, erwiderte mein Bäuchlein, „von nun an werde ich mich nicht länger zurückziehen.“ „Das verstehe ich ja“, gab ich mich nachsichtig und drehte mich ins Profil, was die Sache allerdings nur verschlimmerte, „aber schau mich doch an, ich sehe aus wie schwanger.“ „Na und?“, fragte mein Bauch, „was ist daran so schlimm? Schwangere Bäuche werden immer sehr wohlwollend betrachtet. Wo ist der Unterschied, ob da was drin ist oder nicht?“ Ich stutzte.

Und außerdem“, fuhr mein Bäuchlein fort, „bei kleinen Kindern ist der Bauchi noch sooo süß. Warum findet das bei Erwachsenen keiner mehr knuffig? Man kommt mit einem Bäuchlein zur Welt und die meisten sterben mit einem Bäuchlein. Warum muss er denn zwischendrin flach sein?“ „Keine Ahnung, das hat sich wohl so ergeben“, sagte ich und musste an die „7 Tricks für einen flachen Bauch“ denken, die ich auf gefühlt jeder Internetseite vorgeschlagen bekomme, „Bauch rein, Brust raus und so. Liegt wohl an diesem Schönheitsideal.“ „Pfff, Schönheitsideal, das kann ja nur jemand erfunden haben, der Unterdrückung für eine wirksame Methode hält“, prustete mein Bäuchlein abschätzig, „Apropos, in was für einer Welt leben wir eigentlich, in der es Bauchweg-Gürtel gibt? Bauch-weg? Hallo?! Wie sollt ihr jemals eure Mitte finden ohne Bauch? Wer soll eure Entscheidungen treffen? Und wo sollen die Schmetterlinge hin? Und die Gefühle?“ Mein Bauch rumorte ordentlich. „Und überhaupt, wenn es Bauchweg-Gürtel für zu dicke Bäuche gibt, wieso gibt es dann noch keine Kopfweg-Mützen oder sowas? Für all die aufgeblähten Gockel da draußen, die keiner sehen will. Das wäre doch mal sinnvoll.“ Hm, dachte ich, eigentlich keine schlechte Idee.

Ich versuchte, die Dinge in ein etwas besseres Licht zu rücken: „Das heißt übrigens gar nicht mehr Bauchweg-Gürtel, das heißt jetzt Shapewear.“ Ein erbärmlicher Versuch. „Also quasi, um dem Ganzen eine schönere Form zu geben.“ Ich merkte schnell, dass ich mit diesem Argument nicht weit kam. „Shapewear, interessant“, knurrte mein Bauch, „klingt wie Formfleisch. Ich dachte die Zeit der Korsette sei vorbei?“ Dann machte sich mein Bäuchlein in ernstem Ton Luft, nur diesmal nicht durch den Hinterausgang: „Also jetzt mal rein pragmatisch betrachtet, ich muss hier schließlich auch einiges an nicht ganz unwichtigen Organen unterbringen. Allein ungefähr sechs Meter Darm, die müssen ja irgendwo hin. Die kann ich nicht aufrollen wie einen Gartenschlauch. Und die Darmflora, die braucht Raum und ein angenehmes Klima um zu gedeihen. Aber du behandelst mich seit Jahren wie das Unterdeck der Titanic, wenig Platz und schlecht belüftet. Merkst du eigentlich, dass du nicht mal mehr richtig atmest, weil du mich ständig einziehst? Hier unten kommt kein Lüftchen mehr an.“ Ich achtete auf meinen Atem und merkte, wie er tatsächlich irgendwo kurz über dem Herzen versackte. „Und da wunderst du dich, dass du Dinge nicht mit Nachdruck sagen kannst? Tja. Wie soll ich dich stützen und dir Kraft verleihen, wenn du mich verkümmern lässt wie einen leeren Ballon? So kann ich dir keinen Auftrieb verleihen.“ Das klang logisch. Ich schwieg.

Aber mein Bäuchlein fuhr fort: „Deine morgendlichen Bauchmuskelübungen sind ja ganz nett, aber mal ehrlich, das bringt doch nichts, so halbherzig wie du da rangehst. Das bisschen Gewippe kannst du dir auch sparen. So hältst du mich nicht in Schach.“ Ich schluckte und war überrascht von derart klaren Worten aus dem Bauch heraus. Mein Bäuchlein war aber noch nicht fertig: „Es ist dir peinlich, dich mit mir in der Öffentlichkeit zu zeigen? Weißt du was, MIR ist es peinlich, mich mit DIR zu zeigen. Mit jemandem, der so wenig Wertschätzung für mich und meine Arbeit hat. Das ist traurig.“

Dann herrschte Stille. Ich wartete auf ein vertrautes Gluckern, aber nichts. Zurück blieb nur eine sanfte Wölbung in meiner Mitte. Und die Einsicht, dass ich statt eines Waschbretts wohl einen Frontlader hatte.

Advertisements

Rücksicht ist aus

„Sag mal, sind wir eigentlich die einzigen, die noch ein bisschen Anstand haben?“, fragte mich mein Leben neulich. „Die haben wohl alle ihre Tugenden zuhause gelassen. Vielleicht können wir ja ein paar besorgen und sie verteilen“…

In meiner neuen Kolumne bei emotion.de versuche ich mal wieder, die Welt ein Stückchen besser zu machen. Aber versucht mal, an Tugenden zu kommen…gar nicht so einfach.

Hier geht’s zum Text

Hinterm Komforthorizont

Achtung! Sie verlassen nun die Komfortzone“ stand in großen, grellen Lettern an einer überdimensionalen Warntafel am Ende des Weges. Mein Leben und ich hatten uns bis hierhin durchgeschlagen, durch Dickicht und Gestrüpp, denn feste Wege gab es nicht. Wenn wir unterwegs Leute nach der Grenze der Komfortzone fragten, zuckten sie entweder mit den Schultern oder winkten eilig ab, als ginge es um ein Gebiet, in dem man sich besser nicht aufhielte. Doch wir waren unserem Gefühl gefolgt und nahmen die zunehmend unbequemer werdenden Wege, bis wir schließlich an diesem verlassenen Grenzposten ankamen. Eine Schranke, ein heruntergekommenes Wächterhäuschen und ein Grenzstein markierten den Übergang vom Land der Gemütlichkeit und Gewohnheit zum Land der unsicheren Möglichkeiten.

„Na bitte, da wären wir“, stellte mein Leben zufrieden fest, „war doch gar nicht so schwer.“ In diesem Moment trat aus dem winzigen Verschlag ein grimmig blickender Mann mit Schnauzbart, der seine altertümliche Uniform zurechtrückte und uns musterte. Offensichtlich der Grenzwächter. „Ham’se sich verlaufen?“ fragte er, als ob die bewusste Entscheidung für eine Grenzüberschreitung völlig unrealistisch war. „Nein, nein“, erwiderte mein Leben und fügte schelmisch hinzu: „wir wollen mal rübermachen.“ Dabei lachte es grunzend über seinen eigenen Witz. Den Grenzwächter beeindruckte das wenig: „Na wenn’se meinen. Der Spaß wird ihnen schon noch vergehen.“ Mein Leben wurde sofort wieder ernst und auch ich schaute etwas skeptisch auf die andere Seite der Schranke. Doch ich konnte nichts erkennen. Eine Wand aus Milchglas blockierte den Blick auf das, was sich wohl in diesem ominösen Land hinter dem Komforthorizont verbarg.

„Dann isses aber meine Pflicht, sie auf die Gefahren hinzuweisen“, sagte der Schnauzbart und zog eine Broschüre aus seiner Brusttasche. „Bitte lesen’se dit aufmerksam durch.“ Er reichte uns das Papier. ‚WARNHINWEIS‘ war darauf zu lesen und darunter eine Liste mit potentiellen Gefahren: „Mit dem Verlassen der Komfortzone verlassen Sie gewohntes und sicheres Gebiet. Der Eintritt in die Gefahrenzone erfolgt eigenverantwortlich und bedeutet ein nicht vorhersagbares Risiko. Sie müssen mit dem Auftreten von Unerwartetem und Unplanbarem rechnen und demzufolge mit erhöhter Anstrengung und Unbequemlichkeit. Außerdem werden Sie in hohem Maße mit Ängsten konfrontiert. Der Aufenthalt in der Gefahrenzone erfordert ständige Überwindung. Zutritt erhält nur, wer über seinen eigenen Schatten springt. Für eventuelle Schwankungen ihres Wohlbefindens wird keine Haftung übernommen.“

Ich ließ den Zettel sinken. „Ähm, wollen wir nicht vielleicht doch lieber hier bleiben?“, fragte ich vorsichtig, „Ich meine, es lebt sich doch ganz gut hier.“ „Ach Quatsch, den Mutigen gehört die Welt“, flötete mein Leben. „Aber hier weiß ich, was ich hab. Wozu muss ich mich denn unnötigen Risiken und Anstrengungen aussetzen?“ „Weil Bequemlichkeit dich nicht weiter bringt. Neue Erfahrungen kannst du nur da draußen machen.“ Mein Leben deutete auf das unsichtbare Gebiet hinter der Schranke. Mir war nicht wohl dabei: „Aber da weiß ich doch gar nicht, was mich da erwartet.“ „Eben“, sagte mein Leben, „das macht es ja so spannend. Denn stell dir vor, es könnten ja auch wundervolle Dinge passieren. Unerwartet ist nicht immer negativ. Du könntest neue Impulse bekommen, die dich inspirieren, Menschen treffen, die dich begeistern, Erlebnisse sammeln, die dich beflügeln. Wer nicht wagt, der nicht gewinnt.“ „Kann schon sein“, erwiderte ich, „aber der Einsatz ist ziemlich hoch und der Gewinn nicht garantiert.“ „Siehste“, schaltete sich der Grenzwächter ein, „geht schon los mit den Ängsten. Also für mich wär dit nix. Ick mach den Job hier seit 36 Jahren und ick bin zufrieden. Ick brauche die Aufregung nich. Ick hab‘ lieber meine Ruhe.“ „Naja, zur Ruhe kann man ja immer wieder zurückkehren“, sagte mein Leben, „die Komfortzone als Basislager sozusagen. Aber zwischendurch sollte man schon das ein oder andere Abenteuer erleben.“ „Ach, dit ganze Tamtam, braucht doch keener.“ Der Herr in Uniform war nicht zu überzeugen. „Tja“, meinte mein Leben, „das Problem ist, dass Adrenalin und Dopamin leider nur außerhalb der Komfortzone gehandelt werden.“ „Mir ist dit ausländische Essen sowieso immer suspekt“, sagte der Schnauzbart und schaute auf die Uhr. „Mittagszeit, ick hol mal meine Stulle.“

Mein Leben und ich standen an der Schranke und schauten ins Ungewisse. Ich verspürte ein wenig Abenteuerlust in mir aufsteigen, aber eine Sache wollte ich noch wissen. „Was genau bringt mir das?“, fragte ich und mein Leben blickte mich strahlend an. „Was dir das bringt? Nun, um es kurz zu sagen: Wachstum, Erfahrungen, Glücksgefühle, Erinnerungen.“

Also gut, dann lass es uns wagen. Was kann uns schon passieren?“, mutig wendete ich mich zum Aufbruch. „Jedenfalls nichts Schlimmes“, antwortete mein Leben und pfiff nach dem Grenzwächter. Dieser kam kauend und mit seiner Stulle in der Hand aus seinem Verschlag geschlendert und schaute fragend. „Hätte der Herr wohl die Güte, uns die Schranke zu öffnen?“, sprach mein Leben salbungsvoll. Der Angesprochene bekam große Augen und hörte mit dem Kauen auf: „Echt jetze?“, mampfte er. „Jawoll, auf, auf!“, rief mein Leben. „Aber halt“, der Grenzwächter wurde ernst, „Passkontrolle. Ihr müsst erst über euren Schatten springen.“ Ich hatte keine Ahnung, wie das funktionieren sollte, aber wir positionierten uns vor unserem Schatten und auf drei sprangen wir gemeinsam. Der Schatten blieb tatsächlich hinter uns. „Ihr meint es wirklich ernst“, staunte der Grenzkollege, „na denn gute Reise, die Herrschaften! Da bin ick ja mal gespannt!“ Er kurbelte die Schranke hoch und winkte uns hinterher, während wir abenteuerlustig die ersten Schritte ins Unbekannte machten.

Auf magische Weise eröffnete sich plötzlich vor uns der Weg. Am Wegesrand tauchten jubelnde Menschen auf, die uns anfeuerten und wie bei einem Marathonlauf kleine Trinkflaschen herüberreichten. Wie sich herausstelle, waren in diesen Fläschchen unsere ersten wohldosierten Rationen Adrenalin.

Anders als erwartet war der Weg eben und ohne Hindernisse, die gefüchteten Gefahrenstellen waren nirgends erkennbar, stattdessen wurde unser Gehirn geflutet mit neuen positiven Eindrücken. In unserem Kopf ratterte, blitzte und zischte es, wir konnten förmlich spüren, wie im Sekundentakt neue Synapsen gebildet wurden. Mit jedem Kilometer überraschten wir uns selbst. Wir probierten Neues aus. Wir kamen mit Menschen ins Gespräch, wo wir doch dachten, wir seien schüchtern. Bei der Routenplanung ließen wir uns von unserem Gefühl leiten, um dabei festzustellen, zu welch wunderbaren Orten uns das führte. Passende Transportmittel und Herbergen zu finden, sahen wir als Herausforderung, nicht als Hürde. Sich in diesem fremden Land alleine durchzuschlagen und zu merken, wie einfach das war, reichte schon, um jegliche Ängste vergessen zu lassen. All die Gespenster und Monster, gegen die wir glaubten kämpfen zu müssen, hatten sich in Luft aufgelöst. Stattdessen begegneten uns täglich neue, wunderbare Erlebnisse. Wir machten Erfahrungen, die man nur fernab der Komfortzone machen kann. Und das Beste war: Dopamin gab es kostenlos an jeder Ecke. Aber noch etwas wurde hier reichlich ausgeschenkt: Selbstbestätigung. Das Gefühl zu wachsen. Wir hatten gewagt und wir hatten gewonnen.

Die Gefahrenzone wurde zum Abenteuerland, in das wir nun häufig Ausflüge unternahmen. „Ah, ihr schon wieder“, waren die Worte des Grenzwächters, immer wenn er uns kommen sah und für uns die Schranke hochkurbelte. Jedes Mal, wenn wir zurückkehrten und er uns fragte, was wir zu verzollen hätten, öffneten wir den großen Koffer mit den Erlebnissen, die zu unbezahlbaren Erinnerungen geworden waren und berichteten ihm ausführlich von den bunten Eindrücken, den wunderbaren Freunden, die wir gefunden hatten und der Erkenntnis, dass sich immer neue Türen öffnen, sobald man einmal den Weg eingeschlagen hat.

Irgendwann ließ er die Schranke einfach offen und winkte uns freudig und mit erhobenem Daumen durch. Und eines Tages war er nicht mehr da. Das Häuschen stand verlassener als je zuvor. Keine Spur von unserem Schnauzbart. Bis auf einen Zettel, der an der geöffneten Schranke klebte. Auf der Broschüre mit dem Warnhinweis hatte er mit Kugelschreiber eine Nachricht hinterlassen: „Wollte dann auch mal rübermachen. Danke für alles! Man sieht sich!“

Von der Leyen will Bundeswehr gesund reformieren

Berlin
Wie das Bundesverteidigungsministerium gestern mitteilte, plant Ursula von der Leyen noch in diesem Jahr eine grundlegende Reform der Bundeswehr. „Um auch in Zeiten erhöhter Gefahren und moderner Bedrohungen den Auftrag zum Schutz und zur Verteidigung erfüllen zu können, müssen alte Strukturen aufgebrochen und längst überholte Verfahren neu überdacht werden, um die Truppe in diesen veränderten Zeiten zukunftsfähig zu machen“, hieß es von Seiten von der Leyens. Zudem müsse der Kampf für das eigene Land auch für die junge Generation attraktiv bleiben.

Im Konzeptentwurf zur Modernisierung der Bundeswehr hat sich die Bundesverteidigungsministerin deshalb von einem aktuellen Thema inspirieren lassen: dem gesunden Essen. Frau von der Leyen bezeichnete es als ihr „Rezept für eine knackig-frische Bundeswehr.“

Ihr Entwurf sieht vor allem Änderungen der Gefechtsmethoden in der Luft, zu Wasser und auf dem Land vor, die sich im Einzelnen folgendermaßen darstellen:

Das Heer wird zukünftig mit ausreichend Bodensuppen und Streitsäften ausgestattet und bekommt mit Eisbomben, Granatäpfeln und Mandelsplittern wirksame Verteidigungsmittel. Zusätzlich wird jeder Soldat jederzeit Zugriff auf Handwaffeln mit Schlag-Sahne haben.

Die Luftwaffeln, Entschuldigung, die Luftwaffe erhält mit hochmodernen Überwachungsbohnen, Delikoptern und Tarnkappenbonbons wirksame Mittel, um Gefahren frühzeitig zu erkennen.

Die Schlagkraft der Marine soll durch den Einsatz von effizienten U-Broten mit frischen Panzerkräutern gesichert werden.

Bei diesen Methoden legt die Verteidigungsministerin vor allem Wert darauf, dass sie bio, hausgemacht und aus regionalen Produkten sein werden. Dafür stehe sie mit ihrem Namen. „Wir greifen hier einen bestehenden Trend auf“, so Frau von der Leyen, „Diese vegetarische Alternative zu den sonst stark eisenhaltigen Methoden wird auch diejenigen ansprechen, die der Bundeswehr bisher eher skeptisch gegenüberstanden.“

Selbstverständlich werde es auch weiterhin Gulaschkanonen geben, bestätigte das Verteidigunsministerium und wies darauf hin, dass sich gerade in der Terrorismusbekämpfung durch den gezielten Einsatz von Jagdwurst ganz neue Erfolgsaussichten eröffneten.

Frau von der Leyen äußerte sich überzeugt, dass ihr Konzept einschlagen werde wie eine Kalorienbombe. Das Bundesverteidigungsministerum ließ abschließend verlauten, dass die anstehende Reform ohne Gewehr sei.

Sonntag ist ein Arsch

Ich möchte den Sonntag verklagen!“, sagte mein Leben mit echter Überzeugung im Blick. Wir saßen bei einem Anwalt für öffentliches Recht, den sich mein Leben im Internet gesucht hatte, weil es der Meinung war, man müsse endlich mal etwas gegen diesen miesen Sonntag unternehmen. „Sie möchten den Sonntag verklagen?“, fragte der Herr im Anzug höflich nach und schaute mich fragend an. Ich zuckte nur mit den Schultern, denn diese Idee war nicht auf meinem Mist gewachsen, obwohl ich die Sache durchaus unterstützte.

Jawoll. Verklagen. Dem Sonntag gehört das Handwerk gelegt!“, mein Leben schlug mit der flachen Hand auf den Tisch. „Nun ja“, begann der Anwalt, „was wollen sie ihm denn zur Last legen?“. Als hätte es auf dieses Stichwort gewartet, zog mein Leben einen sorgfältig gefalteten Zettel aus der Hosentasche, entfaltete ihn und las bedeutungsvoll vor:

„Es handelt sich um folgenden Sachverhalt: Regelmäßig am letzten Tag der Woche tritt der Sonntag jeweils für 24 Stunden in Erscheinung und sorgt dabei bundesweit bei einem Großteil der berufstätigen Bevölkerung für Verstörung, meist im Zeitraum zwischen Aufwachen und Zubettgehen. Dazu bedient er sich folgender Mittel:

  1. Heuchelei. Vortäuschung eines Ruhetages mit anschließender Abfrage des geschafften Tagespensums
  2. Erpressung zur sinnvollen Nutzung der zur Verfügung gestellten Stunden
  3. Illegale Verbreitung depressiver Verstimmung durch Erregung von Angst vor der anstehenden Woche und durch Anstiftung zum Grübeln über den Sinn des Lebens“

Mein Leben war offensichtlich gut vorbereitet und sah sich wohl schon im Gerichtssaal dem Schurken das Handwerk legen.

Nun“, räusperte sich der Anwalt und schob mit dem Finger seine Brille hoch, „das ist jetzt kein wirklicher Tatbestand.“ „Hören Sie“, mein Leben ließ sich nicht entmutigen, „das Wohl einer ganzen Nation hängt davon ab! Wie sieht es denn bei ihnen aus? Wie ist denn ihr Verhältnis zum Sonntag?“ Mein Leben beugte sich über den Tisch und sah den Anwalt eindringlich an. „Das tut doch nichts zur Sache…“ „Antworten sie!“ befahl mein Leben und der Anwalt druckste perplex herum: „Nun, ich äh, mag ihn eigentlich auch nicht sonderlich. Er ist mir unsympathisch.“

„Ha!“, mein Leben sprang auf, „unsympathisch. Ein heuchlerisches Arsch, das ist er!“ Geladen vor Wut tigerte mein Leben durch das Büro des Anwalts. „Prahlt mit seiner Sonderstellung, nur weil er mal in der Bibel erwähnt wurde. Am siebten Tag sollst du ruhen. Pfff. Das ist doch verlogen!“ Der Anwalt schaute mich besorgt an, doch ich zog nur kurz die Augenbrauen hoch, bevor mein Leben weiter vom Leder zog: „Denn eigentlich will er dich gar nicht ruhen lassen. Morgens macht er noch einen auf Gönner: ‚Nee, schlaf ruhig aus, erhol dich mal, tu mal einfach nichts, das ist ok.‘ Und dann am Nachmittag fängt er ganz scheinheilig an zu fragen, was du denn schon so geschafft hast.“ Mein Leben redete sich in Rage: „Denn schließlich sei das ja der einzige Tag der Woche, an dem du mal die Dinge erledigen kannst, zu denen du sonst nicht kommst. Außerdem sei ja morgen schon wieder Montag und dann geht das Hamsterrad wieder los und deshalb wäre es doch wirklich besser, wenn du die Zeit nutzen würdest.“ Mein Leben blieb stehen, fokussierte den Anwalt und wurde laut: „Wie soll man sich denn da erholen, wenn man so unter Druck gesetzt wird?“

Aber es zwingt sie doch keiner, etwas zu erledigen, sie können doch…“ setzte der Anwalt an, doch mein Leben hörte ihn nicht und fuhr fort, wie ein Staatsanwalt, der in sein Plädoyer vertieft war. „Der Samstag, das ist eine ehrliche Haut. Er macht dir nichts vor. Beim Samstag weißt du, dass er dich zum Putzen der Wohnung anhalten wird und zum Einkaufen schickt. Da ist er verlässlich. Am Abend hat er sogar meist noch etwas Nettes mit dir vor, einen Drink mit Freunden oder Kino oder sowas. Der Samstag überzeugt mit einer gewissen Struktur und Geschäftigkeit.“ Mein Leben hielt für einen Moment inne, „der Sonntag hingegen…Stillstand. Leere. Kein Baumarkt, der geöffnet hat. Keine Shoppingmall, in der man sich in den Konsum stürzen könnte. Stattdessen sitzt da dieser Sonntag, gestriegelt und aalglatt wie ein Versicherungsvertreter vor einer Tasse Filterkaffee und stellt einem mit falschem Lächeln Fragen, die man nicht beantworten kann: Wer bin ich? Was tue ich eigentlich? Wo will ich hin? Sollte ich lieber etwas anderes tun? Macht das alles überhaupt Sinn? Warum bin ich allein? Warum bin ich mit diesem Typen zusammen? Bin ich glücklich?“

Mein Leben blieb stehen und schaute pathetisch. „In dem Moment, in dem der Sonntag seinen kunstledernen Aktenkoffer öffnet, tut sich ein großes schwarzes Loch auf.“ Der Anwalt schwieg und blickte erwartungsvoll. „Der Sonntagsdepri“, flüsterte mein Leben, „steigt aus diesem Abgrund hervor und legt sich wie ein grauer Schleier über den Rest des Tages. Plötzlich erscheint dir alles hoffnungslos, plötzlich graut dir vor der kommenden Woche und all seinen Aufgaben, plötzlich wird dir die Endlichkeit des Wochenendes und seine allzu kurze Erholungsmöglichkeit bewusst. Du spürst, wie dir die Zeit durch die Finger rinnt, nicht nur die 48 Stunden des Wochenendes, sondern jede einzelne Minute deines Lebens. Lebst du überhaupt, fragst du dich. Was kommt da noch? Außer dem Berg Bügelwäsche. Du wirst niedergedrückt von der Last dieser existentiellen Fragen und sehnst dich nach dem Abend, in der Hoffnung, dass das Grauen dann vorbei ist. Zeitig schlafen gehen ist dein einziger Ausweg. Oder der Tatort.“ Wie ein Panther schlich mein Leben auf den Anwalt zu „was glauben Sie, warum so viele Menschen Tatort gucken? Damit sie von ihrem eigenen elenden Dasein abgelenkt werden. Der Tatort wurde doch nur erfunden, um das schwarze Sonntagsloch zu füllen.“

Mein Leben stützte sich mit beiden Händen auf den Schreibtisch, beugte sich vor und fokussierte den Anwalt, „Und jetzt sagen Sie mir, ist das alles Sonnenschein und Lebensfreude?“ Der Anwalt, der mittlerweile ehrfürchtig in seinem Stuhl versunken war, schüttelte kaum merkbar den Kopf. „Sehen sie“, rief mein Leben, „der Sonntag erfüllt seine Aufgabe nicht! Das ist Amtsmissbrauch! Und jetzt verklagen Sie ihn endlich!“ Mein Leben ließ von seinem Opfer ab und setzte sich. „Ich, ich, äh,“, stotterte der Anwalt, „ich schau mal, was ich machen kann. Und an wen ich die Klageschrift richten muss.“ „Sie sind unser Mann! Verknacken Sie den Burschen!“, mit diesen Worten sprang mein Leben wieder auf, schüttelte dem Anwalt die Hand und ging Richtung Tür, „Wenn Sie noch weitere Beweise oder Zeugenaussagen benötigen, sagen Sie Bescheid. Das wird ein Präzedenzfall, aber die Menschen werden es ihnen danken! Au revoir!“

Als wir draußen auf der Straße waren, schaute ich mein Leben respektvoll an und staunte: „Du hättest Anwalt werden sollen. Dein Plädoyer da gerade war echt filmreif.“ „Ach was,“ winkte mein Leben ab, „man muss nur überzeugt auftreten, dann wird man auch ernst genommen. Wir haben jedenfalls den ersten Schritt getan, um diesen miesen Sonntag zur Strecke zu bringen. Ich seh‘ schon die Schlagzeile in der BILD: ‚Sonntag im Knast! Der 7. Tag soll nun ruhen.“

Aber“, wagte ich vorsichtig zu fragen, „wer nimmt denn dann eigentlich seinen Platz ein? Ich meine, gibt es einen Nachfolger, einen Vize-Sonntag oder so? Oder gehen wir dann direkt von Samstag auf Montag über?“ „Hm“, mein Leben überlegte, „das wäre ja auch blöd. So ganz ohne Sonntag. Vielleicht sollten wir lieber noch einen Tag einführen, also zusätzlich. Einen Samsonntag. Oder einen Smontag. Das wäre doch schön. Ich werde mal herausfinden, wer da zuständig ist.“ Mit diesen Worten stapfte es davon. Manchmal hat mein Leben echt komische Ideen.

Kampfrede einer Zahnbürste

Und ich sage euch, früher war alles besser. Früher, ganz früher, da waren wir ein Luxusprodukt. Nur für die Wohlhabenden. Aus Knochen und Kuhborsten oder Rosshaaren wurden wir gemacht. Ein echtes Naturprodukt! Napoleons Zahnbürste war sogar aus reinem Gold, mit einem großen N eingraviert! Wo gibt’s denn so etwas heute noch? Diese Individualität? Zur Massenware sind wir verkommen! Aus billigem Kunststoff. Mit den immer gleichen Streifen in Rot oder Blau, die, ja was eigentlich, ausdrücken sollen? Sportlichkeit? Coolness? Dabei sehen sie aus wie Trainingsanzüge aus den 80ern.

Früher, da hatten wir einfach Borsten, die ihren Zweck erfüllten. Gut, vielleicht waren die manchmal etwas grob und haben das Zahnfleisch gleich mit weg gebürstet, aber die Zähne waren sauber. Punkt. Und dann, dann kamen die Hippie-Zahnbürsten mit ihrem neumodischen Zeugs: X-Borsten, abgerundete Borsten, Hoch-Tief-Borsten, Schwingkopf, Kurzkopf, Wechselkopf. Eine Generation von Softies und Mittelharten wuchs heran, die sich mehr um ihr Aussehen und ihre Bezeichnung kümmern als um ihren Job. Und nicht zu vergessen die Klugen, die meinen sie müssten nachgeben. Wie stehen wir denn jetzt da, so völlig verweichlicht? Uns nimmt doch keiner mehr ernst.

Kein Wunder also, dass auch wir von der Technik verdrängt werden, von diesen Oral-Vibratoren. Früher, da haben wir noch selbst geschrubbt. Jetzt werden die kreisförmigen Putzbewegungen outgesourct. Da kommen diese klobigen Roboter mit Rotation, Schall und Ultraschall daher und nehmen uns unsere Arbeit weg. Mit ihrem unschuldig kleinen runden Köpfchen versuchen sie die Zähne mit oszillierend-rotierenden Bewegungen einzulullen. Dabei wissen sie noch nicht mal, wie man das schreibt. Oder sie gehen mit Hochfrequenzschwingungen auf die Zähne los. Was soll das? Wir sind doch nicht bei Star Wars! Dazu ihr erbärmliches Brummen, das klingt wie ein Spielzeughubschrauber, der sich in der Küchenlampe verfangen hat, aber nicht wie Zähneputzen. Das vertraute, gleichmäßige Schrubb-Schrubb, welches über Jahrhunderte aus den Badezimmern zu vernehmen war, wird mehr und mehr durch mickrige Kärchergeräusche ersetzt, die nebenbei erheblich die meditative Wirkung des Zähneputzens stören.

Und seit wann gibt es eigentlich diese miesen kleinen Interdentalbürsten? Die meinen ja, sie hätten eine Nische gefunden und drängeln sich nun auch noch dazwischen. Reicht es denn nicht, dass diese aalglatte Zahnseide jeden Abend nochmal nachsehen muss, ob wir denn auch wirklich nichts vergessen haben? Nur um uns dann mit abschätzigem Blick die Bröckchen zu zeigen, die am seidenen Faden hängen? Wo ist das Vertrauen in uns hin? Und wo soll das noch hinführen? Was kommt als nächstes? Laserstrahlen? UV-Licht? Oder eine Zahnputz-App?

Zahnbürsten dieser Welt, vereinigt euch! Wir dürfen uns aus den Mündern nicht verdrängen lassen! Lasst uns das Erbe bewahren! Seid stark! Und seid gewiss: spätestens, wenn die Energiekrise akut wird, werden sie wieder auf uns zurückkommen.

Endlich entschlüsselt!

Die Funktion der menschlichen Hände!

Die menschlichen Hände. Zwei Körperteile, die immer unter ihren Möglichkeiten geblieben sind. Über Jahrmillionen wurden sie für primitive Aufgaben missbraucht, sie mussten Tiere zerlegen und Bilder an Höhlenwände malen, sie mussten Geräte zusammenschrauben oder Wäsche auswringen, sie mussten Streicheleinheiten geben und Pickel ausdrücken. Doch nun haben sie ihre wahre Bestimmung gefunden. Dank des technischen Fortschritts dürfen die Hände auf dem Höhepunkt der menschlichen Entwicklung endlich das tun, wofür sie vorgesehen waren: den To-go-Becher halten! Und das Handy! Gleichzeitig. Die Hände als Werkzeug für Ernährung und Kommunikation! Effizient und praktisch.

Schon im entspannten Zustand lässt die natürliche Form der Hand, dieses Halbrund der Finger, eindeutig erkennen, dass sie optimal für die Aufnahme eines To-go-Bechers geschaffen wurde. Die Flexibilität der Finger ermöglicht zudem das problemlose Anpassen an verschiedene Bechergrößen. Seit der Mensch seine Ernährung auf Kaffee, Bubble-Tea und Detox-Smoothies umgestellt hat, braucht er nur noch eine Hand, um sich Nährstoffe zuzuführen. Die überschüssige Energie, die er früher in die Benutzung der Hände bei der Nahrungszubereitung gesteckt hat, kann er nun für etwas Sinnvolleres einsetzen, z.B. das Versenden von Twitter-Nachrichten oder Facebook-Posts.

Denn der Clou: eine simple 90° Drehung des Handgelenks und die Hand ist aufnahmebereit für ein Mobiltelefon. Handys fügen sich fast symbiotisch zwischen angewinkelte Finger und Daumengelenk und sitzen dort sicher und fest. Der hochbewegliche Daumen ist optimal auf die Bedienung der Tastatur und des Displays ausgerichtet und ermöglicht so eine schnelle Kommunikation. Wissenschaftler haben eine weitere Erkenntnis aus dieser Entdeckung gezogen: Die orale Kommunikation des Menschen wurde nur übergangsweise entwickelt und bildet sich seit der Erfindung des Mobiltelefons langsam wieder zurück.

Das Bild des modernen homo sapiens ist also endlich komplett und wird so in die Geschichtsbücher eingehen: ein Zweibeiner mit angewinkelten Unterarmen, in der einen Hand einen Pappbecher, in der anderen ein Handy, der Kopf gesenkt.

Seitdem die wahre Funktion der Hände bekannt wurde, sind nicht nur Wissenschaftler fasziniert, nein die ganze Welt staunt über die Tatsache, dass der liebe Gott vor abertausenden von Jahren seiner Zeit weit voraus war und bei der Konstruktion des Menschen ganz offensichtlich bereits Handy und To-go-Becher berücksichtigt hat. Was für eine vorausschauende Schöpfung!