Archiv der Kategorie: Das sinnvolle Leben

Sport?

Sport?“, fragte mein Leben und zog eine Augenbraue hoch, „Nun, sagen wir so, wir pflegen eine freundschaftliche Beziehung, der Sport und ich.“ „Und warum ist da nie mehr daraus geworden?“, fragte ich, und mein Leben antwortete mit einem bedeutungsvollen Seufzer, als handle es sich um das Ende einer ganz großen Romanze: „Ach weißt du, es gibt einfach keinen Platz für ihn. Er kann mich nicht glücklich machen. Alles, was er von mir will ist Zeit und Energie und die kann ich ihm nicht geben. Ich habe tausend andere Sachen zu tun und kann ihm nicht die Aufmerksamkeit schenken, die er von mir verlangt. Arbeiten, Einkaufen, Wäsche waschen, das allein schlaucht ja schon. Und dann soll ich mich auch noch um ihn kümmern? Nein, das geht nicht. Dafür reicht die Kraft nicht.“
Mein Leben machte eine nachdenkliche Pause und fügte dann in leidvollem Ton hinzu: „Es setzt mich einfach unter Druck, wenn er mit mir zusammen sein will. Er verlangt so viel Ehrgeiz. Ehrgeiz entwickle ich höchstens beim Mensch-ärgere-dich-nicht-Spielen. Er will, dass ich an meine Grenzen gehe. Wozu, frage ich mich? Was soll ich da? Wo es mir doch entspannt auf der Couch viel besser geht.“ Ich nickte verständnisvoll und bohrte nach: „Habt ihr es denn nicht mal miteinander versucht?“ „Doch, doch“, bestätigte mein Leben, „mehrfach sogar. Mit Rollenspielen hat er versucht, mich zu überzeugen, doch keine Sportart rief irgendeine Form von Begeisterung in mir hervor. Wasserspringen endete mit Höhenangst und Bauchklatschern, beim Handball lief ich eifrig zum falschen Tor, Krafttraining bescherte mir Kopfschmerzen und beim Yoga kippte ich um oder schlief ein.“ „Das ist ja eher blöd dann“, sagte ich und schwieg nachdenklich.
Mein Leben hingegen fuhr fort: „Überall wird davon geredet, wie bedeutsam er sei. Er wird gehypt wie ein Superstar. Und dann diese Groupies, die behaupten, nicht ohne ihn leben zu können, so viele Anhänger, die ihm frönen, sich ihm unterwerfen, alles in seine Dienste stellen. Das ist doch absurd. Ich kann ihm nicht mal zusehen, wenn er im Fernsehen läuft.“ Mein Leben klang nun etwas frustriert. „Wir sind einfach nicht füreinander gemacht.“
Es herrschte eine Weile Stille, dann fragte ich vorsichtig: „Habt ihr noch Kontakt?“ „Wir sehen uns gelegentlich. Das ist dann aber eher eine oberflächliche Geschichte.“ „Und das war’s dann? Nie wieder Sport?“, ich schaute mein Leben fragend an, „Ich meine ja nur, also, wir werden ja auch nicht jünger und -“, ich stockte auf der Suche nach den richtigen Worten, „also, ähm, der Bauch und der Po, zum Beispiel, die verlieren ja schon etwas an Form mittlerweile und, also, ich glaube, die Gesundheit freut sich auch, wenn der Sport öfter mal vorbeischaut. Vielleicht gibst du ihm doch noch eine Chance?“ Ich versuchte ein motivierendes Lächeln und blickte mein Leben erwartungsvoll an. Es dauerte eine Weile, bis es reagierte: „Dann soll er sich aber was einfallen lassen.“

 

Ablenkung

Ablenkung ist wie ein Kellner, der ständig mit einem Tablett voller spannender neuer Häppchen vorbeikommt, während man versucht, einem Vortrag zu lauschen.

Gerade hatte ich mich hingesetzt, um in Ruhe einen Text zu schreiben, da klingelte es an der Tür. Mein Leben öffnete mit einem freudigen „Willkommen“ und kam mit seiner guten Bekannten, der Ablenkung, herein. Bestens gelaunt und laut lachend ließ sie sich neben mich auf die Couch fallen. Ihr Blick landete direkt auf dem herumliegenden Fotobuch. „Oh, Urlaubsbilder? Zeig mal!“ rief sie voller Entzücken und blätterte neugierig durch die Seiten. „Ach wie schön! Das war bestimmt toll!“

Was machst du denn schon wieder hier?“ fragte ich wenig begeistert über ihren Besuch. „Ich wollte euch noch was zeigen“, sagte sie, nahm ungefragt meinen Laptop und googelte einen Artikel über das Beziehungsende von Helene Fischer und Florian Silbereisen. „Hier lies mal“, sie hielt mir den Bildschirm hin und meine Augen fingen tatsächlich an zu lesen. „Moment mal“, erwischte ich mich, „das ist doch total unwichtig.“ „Ja, aber man muss doch manchmal auch über die seichten Dinge des Lebens informiert sein, jetzt sei mal nicht so kritisch.“

Ich öffnete wieder die noch leere Seite mit meinem zu schreibenden Text und versuchte, meine Gedanken zu sortieren. „Könnte ich wohl was zu trinken haben?“, kam es von der Seite. Da auch mein Glas leer war, stand ich auf und kochte Wasser. Die Ablenkung folgte mir in die Küche. Ihr Blick fiel abfällig auf einige braune Blätter an meiner Palme und sofort bemühte ich mich, diese zu entfernen. „Die braucht wohl mal wieder Wasser“, sagte sie spitz. Ich griff prompt zur Gießkanne und machte meine Runde durch die häusliche Flora. Als ich im Arbeitszimmer am Wäscheständer vorbei kam, bemerkte die Ablenkung völlig richtig: „Ich glaube, die ist trocken.“ Eine Viertelstunde später lagen sämtliche Socken mit ihren Partnern vereint im Schrank. Ich nahm meine Tasse Tee und setzte mich wieder vor meinen Computer. Die Seite war noch immer weiß. Bereit zum Angriff legte ich die Hände auf die Tastatur und machte mit den Fingern ein paar kurze Dehnübungen. „Oh, deine Nägel gehören aber auch mal wieder gestutzt, was?“ Die Ablenkung schaute etwas pikiert auf meine Hände, „mach’s lieber gleich, sonst vergisst du’s.“ Sie hatte Recht. Also ging ich ins Badezimmer, um das Notwendige zu tun. Beim Blick in den Spiegel fiel mir auf, dass auch die Augenbrauen zu wuchern begannen und ich schloss eine Zupforgie an. Als ich zurück ins Wohnzimmer kam, saß mein Leben mit der Ablenkung über meinen Laptop gebeugt, beide lachten sich schlapp. „Das musst du dir ansehen, zum Piepen!“ riefen sie und machten neben sich Platz, damit auch ich das Video über lustig lachende Babys anschauen konnte. Dann klickten wir aus Neugierde noch auf das Video mit den 10 größten Filmfehlern. Und auf die Doku über Sektenkinder. Wir schauten sämtliche Trailer von anstehenden Kinofilmen, die Top 10 der Promis, die sich einer Schönheits-OP unterzogen hatten und ein Video von Make-up Tricks bei Schlupflidern. Zwei Stunden später meldete mein Akku Leerstand und befreite uns aus dem Youtube-Sog. Der Tee war inzwischen kalt. Ich schloss das Gerät an den Strom und starrte auf die leere Seite, doch in meinem Gehirn kreisten noch Gedanken um die armen Sektenkinder und machten Konzentration unmöglich. „Jetzt wäre etwas zu Knabbern ganz schön, ich verspüre da so einen leichten Hunger“, merkte die Ablenkung neben mir an. Zum geistigen Sortieren schien eine kurze Unterbrechung jetzt tatsächlich sinnvoll und so holte ich ein paar Kekse aus dem Schrank. Während wir darauf herumkauten, schaute ich gedankenverloren aus dem Fenster. „Ach guck, jetzt kommt sogar die Sonne raus!“, rief da die Ablenkung, „ein bisschen frische Luft würde sicher gut tun, vielleicht ein kleiner Spaziergang?“ „Nein, ich muss jetzt wirklich mal diesen Text anfangen“, sagte ich bestimmt und war stolz, wenigstens dieses eine Mal nicht dem Vorschlag der Ablenkung gefolgt zu sein.

So konnte das nicht weitergehen. Das nächste Mal würde ich sie nicht mehr einfach so reinlassen. Ich fragte mich, warum nicht öfter mal die Disziplin zu Besuch kommt und setzte mich mit sämtlich aufzutreibender Willenskraft aufrecht vor meinen Laptop. Ich schloss alle Internetseiten, das Mailprogramm und die geöffneten Urlaubsfotos. Dann atmete ich tief durch. Ruhe und Konzentration stellten sich ein.

Rrrrrrriiinnnnngggggg! „Teeeleeefooon!“

Alltag

7.30 Uhr. Die Musik meines Weckers reißt mich aus der Traumwelt. Kaum, dass ich die Augen einigermaßen geöffnet habe und mein Gehirn seine Arbeit langsam aufnimmt, sehe ich ihn schon am Bettrand stehen. Meinen Alltag. In einem dunkelblauen, etwas zu kleinen Anzug steht er da, frisch gestriegelt und voller Erwartung, wie ein Schulkind vor dem ersten Schultag. „Guten Morgen“, sagt er motiviert. Wie jeden Morgen. Mit seinem Klemmbrett in der Hand wippt er ein wenig ungeduldig auf den Fersen auf und ab und wartet, bis ich mich aus dem Bett gepellt habe. Ich weiß genau, was jetzt kommt. Er hat schon alles vorbereitet. Darum nimmt er mich an die Hand und ich folge ihm schlurfend ins Badezimmer. Jeden Tag hat er ein Programm für mich, jeden Tag die Abläufe genau durchgeplant. Er macht das sehr liebevoll. Nur, es ist jeden Tag dasselbe Programm. Die Abläufe sind jeden Tag identisch. Anziehen, frühstücken, zur Arbeit fahren, arbeiten, nach Hause fahren, essen, Haushalt, duschen, schlafen. In dieser Hinsicht hat mein Alltag etwas Zwanghaftes, ja fast Autistisches. Es muss alles genau so gemacht werden wie am Tag davor. Schon bei kleinen Abweichungen wird er nervös und kommt aus dem Konzept. Irgendwie tut er mir leid, wie er so gefangen ist, und ich möchte ihn zwicken, herausholen aus seiner Mühle, ihn fordern. Aber wie?

Sobald ich kurz innehalte um zu überlegen, wie ich ihn überraschen könnte, hat er mich schon wieder am Arm gepackt und sanft zum nächsten Programmpunkt geschoben. „Es muss ja doch gemacht werden“, sagt er dann schulterzuckend. „Aber können wir denn nicht mal was anders machen?“, frage ich, „Muss es immer so sein wie am Tag davor?“ „Manchmal ist das Wetter anders“, gibt mein Alltag zurück, als ob diese Tatsache Veränderung genug sei. Ich bleibe hartnäckig: „Mein Gehirn wird doch gar nicht mehr richtig gefordert, wenn es nur Dinge tut, die es schon hundertmal getan hat, immer in derselben Abfolge.“ „Naja, warum bitte solltest du dich auch VOR dem Duschen abtrocknen wollen? Das macht ja gar keinen Sinn. Oder auf dem Fahrrad Zähneputzen, das ist glaube ich nicht erlaubt.“ Ich verdrehe die Augen, weil mein Alltag so verstockt ist. „Sei froh, dass du mich hast,“ sagt er dann, „ich gebe deinem Tag Struktur.“ „Besten Dank“, erwidere ich, „aber ich bevorzuge das kreative Chaos.“ „Weißt du, wieviel Energie es kosten würde, jeden Tag neu zu überlegen, was alles ansteht und in welcher Reihenfolge es am sinnvollsten zu erledigen ist?“ „So schlimm kann das nicht sein“, gebe ich zurück, „kein Abenteurer weiß vorher was der Tag für ihn bereithält. Kein Abenteurer erlebt zweimal denselben Tag.“ „Das vielleicht nicht, aber auch Abenteurer müssen sich die Zähne putzen.“ Alltage sind so realistisch.

Manchmal möchte ich mich auf den Boden setzen wie ein stures Kind, das keine Lust hat, den stumpfsinnigen Aufforderungen der Eltern nachzukommen. Dann träume ich von einem Leben im anarchischen Reich der Alltagslosen, wo die lästigen Routinen von kleinen Alltags-Gnomen, sogenannten Routiniers, übernommen werden und man selbst endlos Zeit hat, Luftschlösser zu bauen, Schmetterlingen hinterherzujagen oder Purzelbäume zu schlagen. Paradiesisch. Aber sogleich steht mein Alltag neben mir und ermahnt mich zu mehr Disziplin.

Es scheint, als müsse ich mich mit ihm arrangieren. Vielleicht ist ja gerade er das Abenteuer. Abenteuer Alltag, so sagt man doch. Vielleicht muss ich nicht ihn ändern, sondern meine Einstellung zu ihm. Er ist ja schließlich nur für die Abläufe zuständig, die Inhalte darf ich immer noch selbst gestalten. Vielleicht muss ich also dem sturen Kind in mir einfach ein wenig mehr Spaß bieten, damit es den Aufforderungen nachkommt. Ein Tänzchen beim Zähneputzen. Beim Kochen Podcasts hören. Vielleicht muss ich einfach versuchen, die betonierten Pfade meines Alltags etwas zu begrünen, ein paar bunte Blumenkästen hier und da aufstellen. Auf dem Heimweg spontan vom Fahrrad in den Fluss springen. Oder einfach direkt zum Kino weiterfahren.
Wenn ich also in seine Abläufe gelegentlich kleine Prisen Freude, Spontanität und ein Quäntchen Verrücktheit streue, dann bewahrt mich das vor dem gefürchteten Abstumpfen, ohne dass ich seinen Job gefährde.

Zeit zum Abendessen“, ruft mein Alltag und tippt dabei mit dem Stift bedeutungsvoll auf sein Klemmbrett. „Na gut“, sage ich und lasse mich diesmal bereitwillig von ihm an die Hand nehmen. Schließlich warten auf mich ein paar Luftschlösser, die ich gleich aus den Löchern im Käse bauen werde.

How to be durchschnittlich

Podcast #278
Wie Ihr mehr Durchschnittlichkeit in Euer Leben bringt

Hallo Ihr Lieben da draußen,
es ist echt total schön, dass Ihr wieder dabei seid! Auch heute möchte ich meinen belanglosen Senf zu einem bedeutungslosen Thema abgeben. Ich möchte eine wunderschöne Erfahrung mit Euch teilen, die mein Leben grundlegend verändert hat. Ich möchte Euch heute zeigen, wie man ein Leben wirklich und wahrhaftig in Durchschnittlichkeit führen kann. Es ist möglich!

Dafür möchte ich Dir ein Tool an die Hand geben, welches auch Dein Leben transformieren wird. Mit diesem Tool wirst Du es schaffen, aus der spirituellen Tiefe herauszukommen und Dich zurück auf eine banale Ebene zu führen. Auf dieser Ebene der vollkommenen Durchschnittlichkeit wirst Du weder kraftvolle Visionen noch Träume haben. Befreit von Inspiration und Kreativität wirst Du Dein Potenzial nicht ansatzweise ausschöpfen und dadurch das Leben leben, welches für Dich vorgesehen ist: ein Leben in Durchschnittlichkeit.

Auch ich bin diesen Weg gegangen, habe mich von Individualität und Perfektionismus losgesagt, um zu sein, wie Millionen anderer Menschen: durchschnittlich, nichts besonderes, nahezu spießig langweilig. Dieser Weg ist nicht einfach, aber er lohnt sich.
Deshalb habe ich hier 5 leicht umsetzbare Tools zusammengestellt, die Dir dabei helfen sollen, das Durchschnittlichsein auch in Deinem Leben zu implementieren:

#1 Träume nur nachts!
Lebe nicht Deinen Traum, sondern Dein Leben. Träumen kannst Du, wenn Du schläfst, tagsüber gilt es, sich um wirklich wichtige Dinge zu kümmern: den Abwasch, die Wäsche, den Einkauf. Als durchschnittlicher Mensch lebst du nicht im Wolkenkuckucksheim sondern in der Realität. Befrei Dich von der Last Deiner unerreichbaren, kraftzehrenden Visionen und tauche ein in die Vielfalt von banalen, wahrhaftigen Erfahrungen, die der schnöde Alltag für Dich bereit hält.

#2 Sei ineffizient!
Disziplin ist der Feind der Versuchung. Statt stur Deinen Zielen hinterherzulaufen, lass Dich lieber von der Versuchung an wunderbare Orte führen. Darum: Sei ineffizient, mach, was auch immer Dir gerade in die Finger fällt. Bleib bei youtube hängen. Döse. Lass Dich ablenken. Wenn Du Dich von Deiner Umwelt zu den nächsten Schritten inspirieren lässt, kommst Du an Ziele, die Du mit Disziplin nie erreicht hättest.

#3 Sei zufrieden!
Wer ständig Ansprüche an das Leben stellt, muss immer für deren Erfüllung kämpfen. Durchschnittliche Menschen sparen sich diese Energie, indem sie annehmen, was kommt. Betrachte Zufriedensein als das neue Streben. Es ist deutlich weniger anstrengend als ständiges Streben nach etwas Besserem. Trau Dich, auch mal nicht besonders gut zu sein und Du wirst die tiefgreifende Erfahrung machen: Mittelmaß reicht zum Überleben.

#4 Sei sinnlos!
In der Dunkelheit der spirituellen Tiefen ist es schwierig, einen Sinn zu finden. Finde Erleuchtung auf einer realen Ebene, indem Du das Leben als das annimmst, was es ist: sinnlos. Deine Welt wird um so vieles einfacher, wenn Du einsiehst, dass Dein Tun keinen tieferen Zweck erfüllen muss. Warte nicht auf Inspiration. Durchschnittsmenschen sind zu nichts Höherem geboren, als zum Sein.

#5 Bleib unbeachtet!
Sei ehrlich zu Dir selbst: niemanden interessiert, was Du tust. Befrei Dich von der Illusion, etwas Besonderes sein zu müssen und Dir wird eine Last genommen. Schwimm mit dem Strom, rage nicht heraus, sei wie alle anderen. Spar Dir die Mühe der Individualisten, die mit allen Mitteln versuchen, Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen. Durchschnittsmenschen brauchen keine Likes, sie haben Freunde.

Also, ich kann Dich nur motivieren, diesen Weg zur Durchschnittlichkeit zu gehen! Werde ein Otto Normalverbraucher, sei Hinz oder Kunz, oute Dich als Max Mustermann oder Lieschen Müller! Entdecke diese neue Art des Daseins!

Seit ich durchschnittlich bin, ist mein Leben voll von ganz tollen Erlebnissen, die mich überhaupt nicht weiterbringen, z.B. stelle ich mich immer an der falschen Kasse an, und ich kann nur sagen, das ist eine wunderbare Erfahrung, denn es bringt mich zurück zu den Wurzeln, zu den Basics, die das echte Leben ausmachen.

Jetzt ist es an Dir, Dich in Durchschnittlichkeit zu üben. Dafür musst Du weder produktiv noch achtsam, weder diszipliniert noch kreativ sein. Sei einfach talentfrei, mittelmäßig, uninspiriert, dann bist Du auf dem richtigen Weg! Und wirst vielleicht auch bald Teil unserer Durchschnitts-Community. Für mehr Infos klicke einfach auf den Link zur Ordinary-University, dort findest Du vertiefende Kurse zum Thema Durchschnittlichsein in verschiedenen Lebensbereichen, z.B. „Verreisen wie Jedermann“, „Mittelmäßig im Job“ oder „Gewöhnliche Beziehungen“.

So Ihr Lieben, das wars von mir. Ich fand’s total schön, dass Ihr diese einzigartige Erfahrung mit mir geteilt habt. Bitte gebt mir keine Bewertung, spart Euch die Kommentare, nutzt die Zeit zum Popeln und an die Decke starren. In diesem Sinne: Just be ordinary.

Hier habe ich noch einige durchschnittliche Erfahrungen aus der Community zusammengestellt:

  • Ich lieg in Jogginghosen auf der Couch und mache kein Foto davon.

  • Ich geh einem 9-5 Job nach, krasses Gefühl diese Sicherheit und Routine. Kann es nur empfehlen!

  • Ich esse mein Müsli ohne Gojibeeren, Chiasamen und Amaranth. Oder ich esse ein Nutellabrot. Das ist Superfood genug.

  • Ich habe meinen Traumkörper gefunden. Auf der Website des Fitnessstudios.

  • Meine Morgenroutine: die Snooze-Funktion meines Weckers betätigen. Immer und immer wieder.

  • Ich habe hunderte von Followern. Morgens auf dem Weg in die U-Bahn.

Hilfe, ich bin glücklich

Liebes Dr. Winter-Team,
ich bin einfach glücklich mit meinem Leben. Was stimmt mit mir nicht? Bitte helft mir, ich glaube, ich bin nicht normal.        F. aus M.

Liebe F.,
es ist tatsächlich etwas ungewöhnlich, dass jemand „einfach glücklich“ ist, aber es gibt noch keinen Grund zur Sorge. Jeder Mensch hat gelegentlich Anzeichen einer positiven Verstimmung, die mit einer optimistischen Sichtweise auf die Welt, einem erhöhten Selbstwertgefühl sowie einer inneren Zufriedenheit einhergehen. Solange diese Symptome nicht von Dauer sind, ist die Verstimmung nicht schwerwiegend.

Du solltest zuerst einmal herausfinden, welche Gründe hinter deinem frohen Gemüt stecken könnten. Hast du etwa eine funktionierende Beziehung oder bist zufrieden mit deinem Job? Erst wenn du weißt, was die Quelle deines Glücks ist, kannst du daran arbeiten, es im Zaum zu halten. Viele dieser Ursachen entpuppen sich nämlich bei genauerer Betrachtung als gar nicht so rosig. Es findet sich immer Potential für Unzufriedenheit.

Versuche daher, in besonders glücklichen Situationen öfter auch das Negative und die Schattenseiten zu sehen. Hier hilft z.B. das Dramatisieren von Nichtigkeiten, ein Streit oder eine Portion Neid. Das schüttet genügend Stresshormone aus, um wieder schlecht gelaunt zu sein und die Aufwärtsspirale zu unterbrechen.

Glückliche Menschen können mit ihrer permanent guten Laune nämlich schnell in die Isolation geraten, da andere oft nicht wissen, wie sie mit Zufriedenen umgehen sollen. Viele wollen sich einfach nicht von der positiven Stimmung heraufziehen lassen und meiden frohe Mitmenschen. Gerade im negativ geprägten Alltag fühlen sich glückliche Menschen dann oft unverstanden und hilflos.

Sollte dein Zustand länger als 2 Wochen andauern, such bitte einen Psychotherapeuten auf. Der kann dir mit Gesprächen und im Ernstfall auch mit stimmungssenkenden Mitteln helfen, deine Glücksgefühle in den Griff zu bekommen, bevor sie chronisch werden. Aber sei unbesorgt, du hast dein Problem frühzeitig erkannt und damit schon den ersten Schritt zur Besserung getan. Vergiss nicht: Think negative!

Dein Dr. Winter-Team

#bumsfidel #keinechancedemmiesepeter

Die Wellen des Lebens

„Ich habe einen Surfkurs gebucht und warte gerade auf meinen Surflehrer, der mir erklären soll, wie man auf dem Meer des Lebens richtig wellenreitet. Denn das Leben ist ein Ozean. Wir können darin untergehen. Oder wir können auf den Wellen tanzen. Aber wir müssen uns hineinstürzen…“

Stürzt Euch hier hinein in meine neue Kolumne bei emotion.de

Die Jagd nach dem Glück

“Schau mal, wir sind zu einer Jagdgesellschaft auf einem edlen Landgut eingeladen“ überraschte ich mein Leben letzthin. Eine solche Gelegenheit darf man sich natürlich nicht entgehen lassen! Ich sah mich schon mit einer Trophäe aus unendlichem Glück zurückkehren. 

Ob unsere Jagd nach dem Glück erfolgreich war, lest Ihr hier in meiner neuen Kolumne bei emotion.de

CHANGE YOUR LIFE!

Kennen Sie das:
Es ist eintönig, es ist langweilig, es ist nicht das, was Sie sich vorgestellt haben? Es nervt, es macht Sie fertig, es geht den Bach runter?

Es nennt sich Leben.

Und alle anderen scheinen ein besseres zu haben?!

Sie sind unzufrieden mit Ihrem Leben und wünschen sich schon lange ein anderes? Jetzt wird es möglich.

Change your life!
Die Agentur für Lebenswechsel

Wir haben eine riesige Auswahl an verschiedensten Leben. Weltweit. Ändern Sie Ihr Leben jetzt! Wechseln Sie in ein neues Leben!

Schnupperangebot:

Sie haben genug von Ihrem Alltagstrott? Sie wollen nicht schon wieder Shoppen gehen? Sie können den schlechten Service in Ihrem Stammrestaurant nicht mehr ertragen? Sie sind genervt von Ihrer zu engen 4-Zimmer Wohnung? Ihr Leben scheint belanglos und sie wünschen sich einfach mehr Aufregung?

Dann hätten wir hier gerade folgendes Leben im Angebot:

Befreien Sie sich von allem Besitz, reisen Sie in unbekannte Länder, entdecken Sie fremde Kulturen, verbringen Sie viel Zeit draußen in freier Natur, lernen Sie neue Leute kennen, dazu gibt es viel Freizeit, Schonkost und die aufregende Spannung, nicht zu wissen, was einen erwartet!

Unser Modell „Flüchtling“ bietet Ihnen all das!
Die Chancen für einen schnellen Lebenswechsel stehen hier besonders gut, da wir momentan viele Anfragen von Menschen haben, die gerne mit Ihnen tauschen würden.

Worauf warten Sie noch?
Schon morgen kann Ihr neues aufregendes Leben
beginnen!
Wir freuen uns auf Ihren Anruf!

Sinnsuche IV

Das Leben bietet so viele Möglichkeiten. Du musst nur zugreifen.
Genau das ist mein Problem. Es sind zu viele Möglichkeiten. Ich stehe vor dem riesigen Regal des Lebens, überwältigt vom Angebot und habe schon längst den Überblick verloren.
Wo war nochmal die Packung mit dem aufregenden Leben? – Ah da. Aber waren da nicht finanzielle Einbußen mit drin?
Das konventionelle Leben? – Hier, direkt vor mir. Aber das hat so eine langweilige Verpackung. Und außerdem haben das schon so viele.
Oh, da oben sind die Traumjobs, aber welchen genau soll ich da nehmen, sie versprechen doch alle das große Glück.
Es ist zum Verzweifeln. Die Auswahl ist zu groß.
Das ist wie mit den Zahnbürsten. Früher, also mein früher, also zu DDR Zeiten, da gab es im Handel, also in der Kaufhalle, ganze 3 verschiedene Sorten Zahnbürsten. Wobei der einzige Unterschied bei diesen Zahnbürsten wohl lediglich in der Farbe bestand. Ich musste mich also nur zwischen 3 Farben entscheiden. Heute muss ich in stundenlanger Prüfarbeit gefühlt 2 Millionen verschiedenen Zahnbürsten anschauen, von der jede einzelne einen anderen USP verspricht: Rundbürste, Schwingkopf, Überschall, lange Borsten, kurzer Kopf, usw. Irgendwo in den unendlichen Weiten des Zahnbürstenregals soll ich dann die Zahnbürste finden, die für mich, für meine Bedürfnisse optimal ausgestattet ist.
Genauso stehe ich jetzt vor dem Regal des Lebens, um aus den Millionen Möglichkeiten das Leben zu finden, welches optimal zu mir passt.
Doch genauso, wie jede Zahnbürste trotz ihrer wahnsinnigen Ausstattung nur einen simplen Zweck erfüllt, nämlich die Zähne einigermaßen gut zu reinigen, soll das Leben, das ich wähle, auch nur einen simplen Sinn haben: mich einigermaßen glücklich zu machen. Und ich stehe vor dem Regal und frage mich, brauche ich Schwingkopf, Rotationen oder farbige Borsten in meinem Leben? Wie viele Special Features muss mein Leben haben, damit es ein gutes Leben ist?
Zuviel Auswahl verstärkt das Gefühl, immer irgendetwas zu verpassen. Also muss ich pragmatisch vorgehen und beim Zugreifen ausblenden, dass ich mich gerade gegen tausende von anderen Lebens-Möglichkeiten entscheide. Es reicht doch erstmal, dass mein Leben einfach eine schöne Farbe hat.