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The grass is always greener on the other side

Ich beneide dich schon manchmal um dein Leben“, sagt meine Freundin jedes Mal, wenn wir uns sehen. Sie meint mein Single-Dasein, das sie selbst vor einigen Jahren für Mann und Kinder hinter sich gelassen hat. „Tja, und ich beneide dich manchmal um deines“, gebe ich ehrlicherweise zurück. Warum nur hat man immer Sehnsucht nach dem, was man eben gerade nicht hat?

Es kommt mir vor, als seien wir Schafe, die immer auf die Wiese hinter dem Zaun schielen und zu sehen glauben, dass das Gras dort deutlich grüner und die Schafe darauf auch irgendwie vergnügter sind als wir. Ich zum Beispiel stehe allein auf meiner Single-Wiese, beiße lustlos ins Gras und wenn ich mampfend aufschaue, sehe ich drüben auf der Weide eine glückliche Schaf-Familie einträchtig beim gemeinsamen Abendessen. Sie blöken fröhlich und angeregt vor sich hin, während ich nebenbei Kreuzworträtsel löse, um die Ödnis des Alleine-Grasens erträglich zu gestalten. Ein anderes Mal komme ich gerade von der Tränke mit einem befreundeten Schaf und schlendere allein Richtung Stall, als ich sie wieder sehe. Die Lämmer quieken und glucksen vor Freude, weil Vater Schaf wie wild mit ihnen herumtollt, bevor er sich zu Mutter Schaf stellt und ihr zärtlich in den Nacken beißt. Ich lege mich in mein Stroh und denke, das einzige was mich beißt, sind Flöhe. Wieder ein anderes Mal komme ich morgens von einer durchblökten Nacht, in der ich keinen Bock hatte, weil nur so blöde Hammel unterwegs waren. Ich sehe, wie die verschlafenen Lämmlein sich zwischen Mama und Papa Schaf kuscheln und leise blöken, wie lieb sie sie haben. Ich versuche mir einzureden, dass mein Stroh mich auch lieb hat.

Gelegentlich stehe ich mit Mutter Schaf am Gatter und erzähle ihr, was ich so sehe und wie schön ich das finde. Dann lacht sie, verdreht die Augen und sagt: „Ja, so eine Familie hat schon was. Ich möchte sie auch nicht missen. Aber ich glaube, du hast bisher nur die halbe Wahrheit gesehen. Was du nicht gesehen hast, sind die endlosen Diskussionen mit den Lämmern beim Abendessen, wer was wie zu essen hat und wer wann warum aufstehen darf. Wie oft ich mich mit Vater Schaf in der Wolle habe über seine Erziehungsmethoden oder über banale Fragen, wie der Stall zu führen ist. Die Energie, die es kostet, sämtliche Interessen dieser Familie unter einen Hut zu bekommen. All das hast du nicht gesehen, aber auch das passiert hier.“ Ich denke gerade darüber nach, wie mein Hirn diese nicht so glanzvollen Dinge offensichtlich ausgeblendet hat, als Mutter Schaf nachschiebt: „Weißt du, was ich sehe, wenn ich auf deine Wiese rüber schaue, während mir gerade mal wieder eines der Lämmer ans Bein pieselt?“ Ich nicke erwartungsvoll. „Ich sehe, wie frei und kompromisslos du auf deiner Wiese herumspringst. Du kannst tun und lassen, was du willst, ohne, dass du auf irgend ein Schaf Rücksicht nehmen musst. Ich sehe, wie du Ruhe und Zeit für die Dinge hast, die dir Spaß machen. Du kannst dir die Nächte um die Ohren schlagen und danach ungestört ausschlafen. Und ich nehme nicht ohne Neid wahr, wie du hemmungslos flirtest und aufregende Abenteuer erlebst, während ich schon jetzt kaum noch besprungen werde. Und wenn, dann immer von demselben. Wenn ich also dein Leben sehe, würde ich manchmal gerne mit dir tauschen.“ „Na so toll ist das mit dem ständigen Alleinsein auch wieder nicht und diese Abenteuer sind manchmal echt anstrengend“, versuche ich zu relativieren. „Du dagegen hast ein sicheres Nest.“

Wir stehen wie bedröppelte am Gatter und wissen nicht mehr, was wir wollen. Der Blick wandert von der eigenen Wiese zur Wiese hinter dem Zaun und zurück. Das Gras auf der anderen Seite scheint plötzlich nicht mehr ganz so grün, dafür leuchtet die heimische Weide an einigen Stellen sichtbar. Mutter Schaf wird nachdenklich: „Ich habe die Single-Weide ja damals bewusst verlassen. Hätte ich es nicht getan, würde ich jetzt genau wie du da stehen und sehnsüchtig herüber schauen.“ „Die Sehnsucht lässt alle Dinge blühen. Der Besitz zieht alle Dinge in den Staub“, hat Marcel Proust mal gesagt“, philosophiere ich und resümiere: „Vielleicht sollten wir uns mehr auf die saftigen Fleckchen im eigenen Feld konzentrieren, uns der eigenen Wiese gegenüber etwas dankbarer zeigen und zu schätzen wissen, was sie uns Gutes hergibt.“ „Ja, das sollten wir“, stimmt Mutter Schaf mir zu. „Und das geht leichter, wenn man weiß, was man woanders verpasst. Also komm doch demnächst mal zu unserem harmonischen Familien-Abendessen vorbei. Du darfst die süßen Lämmlein danach auch ins Bett bringen.“ Mutter Schaf grinst mich wissend an. „Abgemacht. Aber nur, wenn du mit mir mal wieder nachts um die Tränken ziehst und nach Hammeln für mich Ausschau hältst.“ Ich grinse wissend zurück. Es ist gar nicht so schlecht, jemanden auf der anderen Seite zu kennen. Das Grün des Grases wird dadurch nuancierter.

Die Büchse der Pandora

„Schau mal, was ich dir mitgebracht habe“, rief mein Leben aufgeregt und stellte mir freudestrahlend ein kleines buntes Holzkästchen hin. Es war über und über beklebt mit Bildern von süßen Babys. „Was soll das?“, fragte ich verstört.

Ich ahne schon, was mich in so einer Baby-Büchse der Pandora erwartet…in meiner neuen Kolumne lest Ihr mehr.

Die Wellen des Lebens

„Ich habe einen Surfkurs gebucht und warte gerade auf meinen Surflehrer, der mir erklären soll, wie man auf dem Meer des Lebens richtig wellenreitet. Denn das Leben ist ein Ozean. Wir können darin untergehen. Oder wir können auf den Wellen tanzen. Aber wir müssen uns hineinstürzen…“

Stürzt Euch hier hinein in meine neue Kolumne bei emotion.de

Rücksicht ist aus

„Sag mal, sind wir eigentlich die einzigen, die noch ein bisschen Anstand haben?“, fragte mich mein Leben neulich. „Die haben wohl alle ihre Tugenden zuhause gelassen. Vielleicht können wir ja ein paar besorgen und sie verteilen“…

In meiner neuen Kolumne bei emotion.de versuche ich mal wieder, die Welt ein Stückchen besser zu machen. Aber versucht mal, an Tugenden zu kommen…gar nicht so einfach.

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Hinterm Komforthorizont

Achtung! Sie verlassen nun die Komfortzone“ stand in großen, grellen Lettern an einer überdimensionalen Warntafel am Ende des Weges. Mein Leben und ich hatten uns bis hierhin durchgeschlagen, durch Dickicht und Gestrüpp, denn feste Wege gab es nicht. Wenn wir unterwegs Leute nach der Grenze der Komfortzone fragten, zuckten sie entweder mit den Schultern oder winkten eilig ab, als ginge es um ein Gebiet, in dem man sich besser nicht aufhielte. Doch wir waren unserem Gefühl gefolgt und nahmen die zunehmend unbequemer werdenden Wege, bis wir schließlich an diesem verlassenen Grenzposten ankamen. Eine Schranke, ein heruntergekommenes Wächterhäuschen und ein Grenzstein markierten den Übergang vom Land der Gemütlichkeit und Gewohnheit zum Land der unsicheren Möglichkeiten.

„Na bitte, da wären wir“, stellte mein Leben zufrieden fest, „war doch gar nicht so schwer.“ In diesem Moment trat aus dem winzigen Verschlag ein grimmig blickender Mann mit Schnauzbart, der seine altertümliche Uniform zurechtrückte und uns musterte. Offensichtlich der Grenzwächter. „Ham’se sich verlaufen?“ fragte er, als ob die bewusste Entscheidung für eine Grenzüberschreitung völlig unrealistisch war. „Nein, nein“, erwiderte mein Leben und fügte schelmisch hinzu: „wir wollen mal rübermachen.“ Dabei lachte es grunzend über seinen eigenen Witz. Den Grenzwächter beeindruckte das wenig: „Na wenn’se meinen. Der Spaß wird ihnen schon noch vergehen.“ Mein Leben wurde sofort wieder ernst und auch ich schaute etwas skeptisch auf die andere Seite der Schranke. Doch ich konnte nichts erkennen. Eine Wand aus Milchglas blockierte den Blick auf das, was sich wohl in diesem ominösen Land hinter dem Komforthorizont verbarg.

„Dann isses aber meine Pflicht, sie auf die Gefahren hinzuweisen“, sagte der Schnauzbart und zog eine Broschüre aus seiner Brusttasche. „Bitte lesen’se dit aufmerksam durch.“ Er reichte uns das Papier. ‚WARNHINWEIS‘ war darauf zu lesen und darunter eine Liste mit potentiellen Gefahren: „Mit dem Verlassen der Komfortzone verlassen Sie gewohntes und sicheres Gebiet. Der Eintritt in die Gefahrenzone erfolgt eigenverantwortlich und bedeutet ein nicht vorhersagbares Risiko. Sie müssen mit dem Auftreten von Unerwartetem und Unplanbarem rechnen und demzufolge mit erhöhter Anstrengung und Unbequemlichkeit. Außerdem werden Sie in hohem Maße mit Ängsten konfrontiert. Der Aufenthalt in der Gefahrenzone erfordert ständige Überwindung. Zutritt erhält nur, wer über seinen eigenen Schatten springt. Für eventuelle Schwankungen ihres Wohlbefindens wird keine Haftung übernommen.“

Ich ließ den Zettel sinken. „Ähm, wollen wir nicht vielleicht doch lieber hier bleiben?“, fragte ich vorsichtig, „Ich meine, es lebt sich doch ganz gut hier.“ „Ach Quatsch, den Mutigen gehört die Welt“, flötete mein Leben. „Aber hier weiß ich, was ich hab. Wozu muss ich mich denn unnötigen Risiken und Anstrengungen aussetzen?“ „Weil Bequemlichkeit dich nicht weiter bringt. Neue Erfahrungen kannst du nur da draußen machen.“ Mein Leben deutete auf das unsichtbare Gebiet hinter der Schranke. Mir war nicht wohl dabei: „Aber da weiß ich doch gar nicht, was mich da erwartet.“ „Eben“, sagte mein Leben, „das macht es ja so spannend. Denn stell dir vor, es könnten ja auch wundervolle Dinge passieren. Unerwartet ist nicht immer negativ. Du könntest neue Impulse bekommen, die dich inspirieren, Menschen treffen, die dich begeistern, Erlebnisse sammeln, die dich beflügeln. Wer nicht wagt, der nicht gewinnt.“ „Kann schon sein“, erwiderte ich, „aber der Einsatz ist ziemlich hoch und der Gewinn nicht garantiert.“ „Siehste“, schaltete sich der Grenzwächter ein, „geht schon los mit den Ängsten. Also für mich wär dit nix. Ick mach den Job hier seit 36 Jahren und ick bin zufrieden. Ick brauche die Aufregung nich. Ick hab‘ lieber meine Ruhe.“ „Naja, zur Ruhe kann man ja immer wieder zurückkehren“, sagte mein Leben, „die Komfortzone als Basislager sozusagen. Aber zwischendurch sollte man schon das ein oder andere Abenteuer erleben.“ „Ach, dit ganze Tamtam, braucht doch keener.“ Der Herr in Uniform war nicht zu überzeugen. „Tja“, meinte mein Leben, „das Problem ist, dass Adrenalin und Dopamin leider nur außerhalb der Komfortzone gehandelt werden.“ „Mir ist dit ausländische Essen sowieso immer suspekt“, sagte der Schnauzbart und schaute auf die Uhr. „Mittagszeit, ick hol mal meine Stulle.“

Mein Leben und ich standen an der Schranke und schauten ins Ungewisse. Ich verspürte ein wenig Abenteuerlust in mir aufsteigen, aber eine Sache wollte ich noch wissen. „Was genau bringt mir das?“, fragte ich und mein Leben blickte mich strahlend an. „Was dir das bringt? Nun, um es kurz zu sagen: Wachstum, Erfahrungen, Glücksgefühle, Erinnerungen.“

Also gut, dann lass es uns wagen. Was kann uns schon passieren?“, mutig wendete ich mich zum Aufbruch. „Jedenfalls nichts Schlimmes“, antwortete mein Leben und pfiff nach dem Grenzwächter. Dieser kam kauend und mit seiner Stulle in der Hand aus seinem Verschlag geschlendert und schaute fragend. „Hätte der Herr wohl die Güte, uns die Schranke zu öffnen?“, sprach mein Leben salbungsvoll. Der Angesprochene bekam große Augen und hörte mit dem Kauen auf: „Echt jetze?“, mampfte er. „Jawoll, auf, auf!“, rief mein Leben. „Aber halt“, der Grenzwächter wurde ernst, „Passkontrolle. Ihr müsst erst über euren Schatten springen.“ Ich hatte keine Ahnung, wie das funktionieren sollte, aber wir positionierten uns vor unserem Schatten und auf drei sprangen wir gemeinsam. Der Schatten blieb tatsächlich hinter uns. „Ihr meint es wirklich ernst“, staunte der Grenzkollege, „na denn gute Reise, die Herrschaften! Da bin ick ja mal gespannt!“ Er kurbelte die Schranke hoch und winkte uns hinterher, während wir abenteuerlustig die ersten Schritte ins Unbekannte machten.

Auf magische Weise eröffnete sich plötzlich vor uns der Weg. Am Wegesrand tauchten jubelnde Menschen auf, die uns anfeuerten und wie bei einem Marathonlauf kleine Trinkflaschen herüberreichten. Wie sich herausstelle, waren in diesen Fläschchen unsere ersten wohldosierten Rationen Adrenalin.

Anders als erwartet war der Weg eben und ohne Hindernisse, die gefüchteten Gefahrenstellen waren nirgends erkennbar, stattdessen wurde unser Gehirn geflutet mit neuen positiven Eindrücken. In unserem Kopf ratterte, blitzte und zischte es, wir konnten förmlich spüren, wie im Sekundentakt neue Synapsen gebildet wurden. Mit jedem Kilometer überraschten wir uns selbst. Wir probierten Neues aus. Wir kamen mit Menschen ins Gespräch, wo wir doch dachten, wir seien schüchtern. Bei der Routenplanung ließen wir uns von unserem Gefühl leiten, um dabei festzustellen, zu welch wunderbaren Orten uns das führte. Passende Transportmittel und Herbergen zu finden, sahen wir als Herausforderung, nicht als Hürde. Sich in diesem fremden Land alleine durchzuschlagen und zu merken, wie einfach das war, reichte schon, um jegliche Ängste vergessen zu lassen. All die Gespenster und Monster, gegen die wir glaubten kämpfen zu müssen, hatten sich in Luft aufgelöst. Stattdessen begegneten uns täglich neue, wunderbare Erlebnisse. Wir machten Erfahrungen, die man nur fernab der Komfortzone machen kann. Und das Beste war: Dopamin gab es kostenlos an jeder Ecke. Aber noch etwas wurde hier reichlich ausgeschenkt: Selbstbestätigung. Das Gefühl zu wachsen. Wir hatten gewagt und wir hatten gewonnen.

Die Gefahrenzone wurde zum Abenteuerland, in das wir nun häufig Ausflüge unternahmen. „Ah, ihr schon wieder“, waren die Worte des Grenzwächters, immer wenn er uns kommen sah und für uns die Schranke hochkurbelte. Jedes Mal, wenn wir zurückkehrten und er uns fragte, was wir zu verzollen hätten, öffneten wir den großen Koffer mit den Erlebnissen, die zu unbezahlbaren Erinnerungen geworden waren und berichteten ihm ausführlich von den bunten Eindrücken, den wunderbaren Freunden, die wir gefunden hatten und der Erkenntnis, dass sich immer neue Türen öffnen, sobald man einmal den Weg eingeschlagen hat.

Irgendwann ließ er die Schranke einfach offen und winkte uns freudig und mit erhobenem Daumen durch. Und eines Tages war er nicht mehr da. Das Häuschen stand verlassener als je zuvor. Keine Spur von unserem Schnauzbart. Bis auf einen Zettel, der an der geöffneten Schranke klebte. Auf der Broschüre mit dem Warnhinweis hatte er mit Kugelschreiber eine Nachricht hinterlassen: „Wollte dann auch mal rübermachen. Danke für alles! Man sieht sich!“

Von der Leyen will Bundeswehr gesund reformieren

Berlin
Wie das Bundesverteidigungsministerium gestern mitteilte, plant Ursula von der Leyen noch in diesem Jahr eine grundlegende Reform der Bundeswehr. „Um auch in Zeiten erhöhter Gefahren und moderner Bedrohungen den Auftrag zum Schutz und zur Verteidigung erfüllen zu können, müssen alte Strukturen aufgebrochen und längst überholte Verfahren neu überdacht werden, um die Truppe in diesen veränderten Zeiten zukunftsfähig zu machen“, hieß es von Seiten von der Leyens. Zudem müsse der Kampf für das eigene Land auch für die junge Generation attraktiv bleiben.

Im Konzeptentwurf zur Modernisierung der Bundeswehr hat sich die Bundesverteidigungsministerin deshalb von einem aktuellen Thema inspirieren lassen: dem gesunden Essen. Frau von der Leyen bezeichnete es als ihr „Rezept für eine knackig-frische Bundeswehr.“

Ihr Entwurf sieht vor allem Änderungen der Gefechtsmethoden in der Luft, zu Wasser und auf dem Land vor, die sich im Einzelnen folgendermaßen darstellen:

Das Heer wird zukünftig mit ausreichend Bodensuppen und Streitsäften ausgestattet und bekommt mit Eisbomben, Granatäpfeln und Mandelsplittern wirksame Verteidigungsmittel. Zusätzlich wird jeder Soldat jederzeit Zugriff auf Handwaffeln mit Schlag-Sahne haben.

Die Luftwaffeln, Entschuldigung, die Luftwaffe erhält mit hochmodernen Überwachungsbohnen, Delikoptern und Tarnkappenbonbons wirksame Mittel, um Gefahren frühzeitig zu erkennen.

Die Schlagkraft der Marine soll durch den Einsatz von effizienten U-Broten mit frischen Panzerkräutern gesichert werden.

Bei diesen Methoden legt die Verteidigungsministerin vor allem Wert darauf, dass sie bio, hausgemacht und aus regionalen Produkten sein werden. Dafür stehe sie mit ihrem Namen. „Wir greifen hier einen bestehenden Trend auf“, so Frau von der Leyen, „Diese vegetarische Alternative zu den sonst stark eisenhaltigen Methoden wird auch diejenigen ansprechen, die der Bundeswehr bisher eher skeptisch gegenüberstanden.“

Selbstverständlich werde es auch weiterhin Gulaschkanonen geben, bestätigte das Verteidigunsministerium und wies darauf hin, dass sich gerade in der Terrorismusbekämpfung durch den gezielten Einsatz von Jagdwurst ganz neue Erfolgsaussichten eröffneten.

Frau von der Leyen äußerte sich überzeugt, dass ihr Konzept einschlagen werde wie eine Kalorienbombe. Das Bundesverteidigungsministerum ließ abschließend verlauten, dass die anstehende Reform ohne Gewehr sei.

Sonntag ist ein Arsch

Ich möchte den Sonntag verklagen!“, sagte mein Leben mit echter Überzeugung im Blick. Wir saßen bei einem Anwalt für öffentliches Recht, den sich mein Leben im Internet gesucht hatte, weil es der Meinung war, man müsse endlich mal etwas gegen diesen miesen Sonntag unternehmen. „Sie möchten den Sonntag verklagen?“, fragte der Herr im Anzug höflich nach und schaute mich fragend an. Ich zuckte nur mit den Schultern, denn diese Idee war nicht auf meinem Mist gewachsen, obwohl ich die Sache durchaus unterstützte.

Jawoll. Verklagen. Dem Sonntag gehört das Handwerk gelegt!“, mein Leben schlug mit der flachen Hand auf den Tisch. „Nun ja“, begann der Anwalt, „was wollen sie ihm denn zur Last legen?“. Als hätte es auf dieses Stichwort gewartet, zog mein Leben einen sorgfältig gefalteten Zettel aus der Hosentasche, entfaltete ihn und las bedeutungsvoll vor:

„Es handelt sich um folgenden Sachverhalt: Regelmäßig am letzten Tag der Woche tritt der Sonntag jeweils für 24 Stunden in Erscheinung und sorgt dabei bundesweit bei einem Großteil der berufstätigen Bevölkerung für Verstörung, meist im Zeitraum zwischen Aufwachen und Zubettgehen. Dazu bedient er sich folgender Mittel:

  1. Heuchelei. Vortäuschung eines Ruhetages mit anschließender Abfrage des geschafften Tagespensums
  2. Erpressung zur sinnvollen Nutzung der zur Verfügung gestellten Stunden
  3. Illegale Verbreitung depressiver Verstimmung durch Erregung von Angst vor der anstehenden Woche und durch Anstiftung zum Grübeln über den Sinn des Lebens“

Mein Leben war offensichtlich gut vorbereitet und sah sich wohl schon im Gerichtssaal dem Schurken das Handwerk legen.

Nun“, räusperte sich der Anwalt und schob mit dem Finger seine Brille hoch, „das ist jetzt kein wirklicher Tatbestand.“ „Hören Sie“, mein Leben ließ sich nicht entmutigen, „das Wohl einer ganzen Nation hängt davon ab! Wie sieht es denn bei ihnen aus? Wie ist denn ihr Verhältnis zum Sonntag?“ Mein Leben beugte sich über den Tisch und sah den Anwalt eindringlich an. „Das tut doch nichts zur Sache…“ „Antworten sie!“ befahl mein Leben und der Anwalt druckste perplex herum: „Nun, ich äh, mag ihn eigentlich auch nicht sonderlich. Er ist mir unsympathisch.“

„Ha!“, mein Leben sprang auf, „unsympathisch. Ein heuchlerisches Arsch, das ist er!“ Geladen vor Wut tigerte mein Leben durch das Büro des Anwalts. „Prahlt mit seiner Sonderstellung, nur weil er mal in der Bibel erwähnt wurde. Am siebten Tag sollst du ruhen. Pfff. Das ist doch verlogen!“ Der Anwalt schaute mich besorgt an, doch ich zog nur kurz die Augenbrauen hoch, bevor mein Leben weiter vom Leder zog: „Denn eigentlich will er dich gar nicht ruhen lassen. Morgens macht er noch einen auf Gönner: ‚Nee, schlaf ruhig aus, erhol dich mal, tu mal einfach nichts, das ist ok.‘ Und dann am Nachmittag fängt er ganz scheinheilig an zu fragen, was du denn schon so geschafft hast.“ Mein Leben redete sich in Rage: „Denn schließlich sei das ja der einzige Tag der Woche, an dem du mal die Dinge erledigen kannst, zu denen du sonst nicht kommst. Außerdem sei ja morgen schon wieder Montag und dann geht das Hamsterrad wieder los und deshalb wäre es doch wirklich besser, wenn du die Zeit nutzen würdest.“ Mein Leben blieb stehen, fokussierte den Anwalt und wurde laut: „Wie soll man sich denn da erholen, wenn man so unter Druck gesetzt wird?“

Aber es zwingt sie doch keiner, etwas zu erledigen, sie können doch…“ setzte der Anwalt an, doch mein Leben hörte ihn nicht und fuhr fort, wie ein Staatsanwalt, der in sein Plädoyer vertieft war. „Der Samstag, das ist eine ehrliche Haut. Er macht dir nichts vor. Beim Samstag weißt du, dass er dich zum Putzen der Wohnung anhalten wird und zum Einkaufen schickt. Da ist er verlässlich. Am Abend hat er sogar meist noch etwas Nettes mit dir vor, einen Drink mit Freunden oder Kino oder sowas. Der Samstag überzeugt mit einer gewissen Struktur und Geschäftigkeit.“ Mein Leben hielt für einen Moment inne, „der Sonntag hingegen…Stillstand. Leere. Kein Baumarkt, der geöffnet hat. Keine Shoppingmall, in der man sich in den Konsum stürzen könnte. Stattdessen sitzt da dieser Sonntag, gestriegelt und aalglatt wie ein Versicherungsvertreter vor einer Tasse Filterkaffee und stellt einem mit falschem Lächeln Fragen, die man nicht beantworten kann: Wer bin ich? Was tue ich eigentlich? Wo will ich hin? Sollte ich lieber etwas anderes tun? Macht das alles überhaupt Sinn? Warum bin ich allein? Warum bin ich mit diesem Typen zusammen? Bin ich glücklich?“

Mein Leben blieb stehen und schaute pathetisch. „In dem Moment, in dem der Sonntag seinen kunstledernen Aktenkoffer öffnet, tut sich ein großes schwarzes Loch auf.“ Der Anwalt schwieg und blickte erwartungsvoll. „Der Sonntagsdepri“, flüsterte mein Leben, „steigt aus diesem Abgrund hervor und legt sich wie ein grauer Schleier über den Rest des Tages. Plötzlich erscheint dir alles hoffnungslos, plötzlich graut dir vor der kommenden Woche und all seinen Aufgaben, plötzlich wird dir die Endlichkeit des Wochenendes und seine allzu kurze Erholungsmöglichkeit bewusst. Du spürst, wie dir die Zeit durch die Finger rinnt, nicht nur die 48 Stunden des Wochenendes, sondern jede einzelne Minute deines Lebens. Lebst du überhaupt, fragst du dich. Was kommt da noch? Außer dem Berg Bügelwäsche. Du wirst niedergedrückt von der Last dieser existentiellen Fragen und sehnst dich nach dem Abend, in der Hoffnung, dass das Grauen dann vorbei ist. Zeitig schlafen gehen ist dein einziger Ausweg. Oder der Tatort.“ Wie ein Panther schlich mein Leben auf den Anwalt zu „was glauben Sie, warum so viele Menschen Tatort gucken? Damit sie von ihrem eigenen elenden Dasein abgelenkt werden. Der Tatort wurde doch nur erfunden, um das schwarze Sonntagsloch zu füllen.“

Mein Leben stützte sich mit beiden Händen auf den Schreibtisch, beugte sich vor und fokussierte den Anwalt, „Und jetzt sagen Sie mir, ist das alles Sonnenschein und Lebensfreude?“ Der Anwalt, der mittlerweile ehrfürchtig in seinem Stuhl versunken war, schüttelte kaum merkbar den Kopf. „Sehen sie“, rief mein Leben, „der Sonntag erfüllt seine Aufgabe nicht! Das ist Amtsmissbrauch! Und jetzt verklagen Sie ihn endlich!“ Mein Leben ließ von seinem Opfer ab und setzte sich. „Ich, ich, äh,“, stotterte der Anwalt, „ich schau mal, was ich machen kann. Und an wen ich die Klageschrift richten muss.“ „Sie sind unser Mann! Verknacken Sie den Burschen!“, mit diesen Worten sprang mein Leben wieder auf, schüttelte dem Anwalt die Hand und ging Richtung Tür, „Wenn Sie noch weitere Beweise oder Zeugenaussagen benötigen, sagen Sie Bescheid. Das wird ein Präzedenzfall, aber die Menschen werden es ihnen danken! Au revoir!“

Als wir draußen auf der Straße waren, schaute ich mein Leben respektvoll an und staunte: „Du hättest Anwalt werden sollen. Dein Plädoyer da gerade war echt filmreif.“ „Ach was,“ winkte mein Leben ab, „man muss nur überzeugt auftreten, dann wird man auch ernst genommen. Wir haben jedenfalls den ersten Schritt getan, um diesen miesen Sonntag zur Strecke zu bringen. Ich seh‘ schon die Schlagzeile in der BILD: ‚Sonntag im Knast! Der 7. Tag soll nun ruhen.“

Aber“, wagte ich vorsichtig zu fragen, „wer nimmt denn dann eigentlich seinen Platz ein? Ich meine, gibt es einen Nachfolger, einen Vize-Sonntag oder so? Oder gehen wir dann direkt von Samstag auf Montag über?“ „Hm“, mein Leben überlegte, „das wäre ja auch blöd. So ganz ohne Sonntag. Vielleicht sollten wir lieber noch einen Tag einführen, also zusätzlich. Einen Samsonntag. Oder einen Smontag. Das wäre doch schön. Ich werde mal herausfinden, wer da zuständig ist.“ Mit diesen Worten stapfte es davon. Manchmal hat mein Leben echt komische Ideen.

Schnaps mit der Liebe

Ich habe die Liebe getroffen. Sie war anders, als ich sie mir vorgestellt hatte.

Letzthin endete ich nach einem Cocktailabend mit Freunden unerwartet in einer Kaschemme. Irgendetwas hatte mich hineingezogen und so saß ich plötzlich in diesem ranzigen alten Laden in schummrigem Licht an der Bar. Außer mir saß nur noch eine etwas abgewrackte Dame mit zauseligem Haar und wilden Klamotten an einem der Tische in der Ecke und redete auf die leeren Schnapsgläser vor sich ein: „Wozu mach‘ ich das eigentlich? Wozu? Das hat doch alles keinen Sinn.“ Sie sah irgendwie fertig aus. Der Barmann stellt mir ein Bier hin, bemerkte meinen Blick zu der Dame und meinte beiläufig: „Das ist die Liebe.“ Ich schaute ihn ungläubig an: „Nein!“ „Doch. Die kommt öfter. Scheint eine Art Identitätskrise zu haben. Oder Burnout.“ Ich sah, wie er ihr ein weiteres Glas Schnaps einschenkte und es ihr brachte. Doppelkümmel. Wie bitte? Die Liebe trinkt Doppelkümmel? In meiner Vorstellung nippte die Liebe samtigen Rotwein aus großen, bauchigen Gläsern. Aber doch keinen Kümmel! Wer weiß, was ich noch so für falsche Vorstellungen von ihr hatte. Ich musste mit ihr reden. Das war die Gelegenheit.

Mit meinem Bier in der Hand ging ich zu ihr. Aus der Nähe bemerkte ich, dass sie gar nicht wirklich groß war. Auch da hatte ich mich also getäuscht. Ich fragte höflich: „Entschuldigung, darf ich mich setzen?“ Die Dame schaute aus müden Augen zu mir auf, nickte dann nur einmal kurz und wies mir mit dem Blick den Platz ihr gegenüber zu. Ich setzte mich. „Darf ich Sie etwas fragen?“, versuchte ich vorsichtig das Gespräch zu eröffnen. Sie grummelte nur ein fragendes „Hm“ und schaute mich unbeteiligt an. „Ähm, also“, ich war etwas nervös, ich wollte es mir mit der Liebe ja nicht gleich vermasseln, „ich, äh, ich wollte mal wissen, wie das mit Ihnen so funktioniert, also, nach welchem Prinzip Sie arbeiten.“ „Prinzip?“, schnauzte sie mich an, „was denn für’n Prinzip?“ „Naja, also ob es da einen Plan gibt, nach dem Sie die Leute besuchen“, ich bemühte mich, freundlich zu klingen, „in der Grundschule, da war ich mal verliebt, aber seitdem, ich wollte nur wissen, ob Sie nochmal vorbeikommen.“ In leicht genervtem Ton, in dem sich auch schon die unzähligen Schnäpse niederschlugen, raunzte die Liebe zurück: „Alle wollen immer, dass ich mal vorbeikomme. Ich bin doch nicht der Weihnachtsmann!“ Na prima, das hat ja super geklappt. „Nein, nein, ich wollte ja auch gar keinen Druck machen“, ich versuchte zu scherzen, „you can’t hurry love, schon klar, haha.“ Sie fand es nicht lustig.

Hast du eine Ahnung, wie viel ich zu tun habe? Ich muss mich um die Babys und die Kinder kümmern, muss Familien zusammenhalten, Freunde verbinden. Überall werde ich gebraucht. Vor allem in Nahost.“, die Liebe blickte nachdenklich in ihre leeren Gläser. „Jeder will geliebt werden. Und jeder sollte geliebt werden. In irgendeiner Form. Aber seit diese Idee von der romantischen Liebe populär wurde, komme ich einfach nicht mehr hinterher.“ Sie winkte dem Barmann, der ihr, und mir, prompt ein neues Glas Kümmel brachte. Mit einem Schluck kippte sie es hinunter und fuhr fort: „Früher, da hatte ich noch Zeit und Muße für wahre Liebe, für Romeo und Julia, Tristan und Isolde, für Cäsar und Cleopatra, Albano und Romina Power. Der Normalsterbliche hat gar nicht über mich nachgedacht, sondern war zufrieden, wenn er ein Weib für den Haushalt oder einen verdienenden Ehemann hatte. Doch seit Jane Austen so blümerant über mich geschrieben hat, wollte auf einmal jeder so etwas haben. Das ist als würden plötzlich alle ausschließlich bio kaufen, wie soll das gehen?“ Die Liebe knallte das Glas, mit dem sie bis eben rumgefuchtelt hatte, auf den Tisch. Ich nippte noch an meinem fürchterlichen Kümmel und gab zu bedenken: „Naja, aber es ist doch auch eine schöne Sache eigentlich, jemanden zu finden, der einem in die Seele schauen kann, der einem das Gefühl gibt, wertvoll zu sein, der einem neue Impulse gibt. Jemand, der etwas in einem auslöst, was man bis dahin vielleicht gar nicht kannte.“ Die Liebe verdrehte die Augen: „Fang du auch noch an.“ „Ich kenn’s auch nur vom Hörensagen“, sagte ich zu meiner Verteidigung und leerte das Glas. Auf magische Weise standen schon zwei neue Schnäpse vor uns. „Siehste, da hassus“, die Liebe fing langsam an zu lallen, „das Bild, das sie von mir verbreitet haben, das is‘ doch gephotoshopped. Ich wurde missbraucht. In Film und Fernsehen, in Büchern und Magazinen haben sie mich verschönt, mit Prinzen und Rosen und Geigen-Musik. Überall tauchte ich plötzlich auf und machte die Menschen, die mich hatten, scheinbar glücklich. Wie ein schnellhaftender Alleskleber musste ich für jedes noch so primitive Pilcher-Pärchen herhalten. Alles bekam einen rosa Filter und ein bisschen Glitter obendrauf. Zum Kotzen is‘ das!“ Zack, das nächste Glas verschwand in ihrem Rachen. Aus Mitleid trank ich meines gleich mit.

Offensichtlich war die Liebe froh, mal jemanden zum Reden gefunden zu haben, denn sie zog weiter vom Leder: „Das Problem ist, dass die meisten Menschen einfach nicht allein sein können. Dann holen sie sich ein bisschen Alleskleber und eine Portion Glitter und erwarten, dass der Partner so für immer bei ihnen bleibt. Andere beklagen sich, wenn ich nicht so lange bleibe. Aber ich kann doch nicht bei allen ständig dabei sein und Händchen halten. Die müssen das doch auch so hinkriegen. Radfahren muss man schließlich auch irgendwann ohne Stützräder. Und komischerweise, manche von denen können es auch. Aber andere, die fauchen sich schon an, kaum dass ich aus der Tür bin. Und dann klingelt irgendwann der Hass und sie machen ihm auch noch auf.“ „Das klingt nach Sisyphos-Arbeit für Sie“ schob ich dazwischen. „Das kannste laut sagen!“, die Liebe klang erschöpft, „verstehste jetzt, warum ich nicht mehr zu meiner eigentlichen Arbeit komme?“ „Weil Sie Ihre Zeit mit Hinz und Kunz verplempern müssen“, langsam fing auch ich an zu lallen. „Und weil so viel von mir erwartet wird. Die Leute sind ja nicht so leicht zufrieden. Die wollen ja immer sämtliche Extra-Features wie Humor und Leidenschaft passgenau mit dazu haben, bevor sie glauben, dass es Liebe ist.“ „Aber“, ich hing schon halb über dem Tisch und gab mit dem Zeigefinger meiner lallenden Aussage Nachdruck, „es gibt auch Menschen, die wunderbar den Alltag zusammen meistern, bei denen die Kommunikation und der Humor stimmen, bei denen aber die Liebe fehlt. Das Bizzeln. Die Glut. Das Kribbeln. Oder wie auch immer sich das äußert. Das zum Beispiel weiß ich aus eigener Erfahrung. Dieses Gefühl, dass etwas fehlt.“ Ich wartete, bis der abschließende Satz mein Gehirn erreicht hatte: „Warum gehen Sie denn nicht zuerst zu denen? Da würden Sie doch auf fruchtbaren Boden treffen. Das wär doch für alle Beteiligten das Beste. Also quasi win-win.“ Ich schaute die Liebe erwartungsvoll an. Sie schaute lange zurück. Blinzelte sanft mit den Augen, als würde sie intensiv diese Erkenntnis verarbeiten. Dann sagte sie schlicht: „Keine Ahnung.“ Und stand auf. „Ich muss nach hause.“ Sie griff ihre Jacke und den Hut und suchte nach dem Gleichgewicht. „Ich bringe Sie“, sagte ich höflich, hakte sie unter und gemeinsam torkelten wir zur Tür.

Draußen stand ein knutschendes Pärchen, welches ich aus dem Augenwinkel beobachtete. Als ob sie es bemerkt hatte, stellte die Liebe klar: „Damit habe ich nichts zu tun! Das ist die Leidenschaft, die zieht auch gerne mal ohne mich los.“ Wir gingen durch kühle Morgenluft der Dämmerung entgegen. „Und unter uns“ flüsterte die Liebe, „das mit Romeo und Julia damals, da war auch viel Leidenschaft dabei. Ich kam da nicht wirklich zum Zug. Und ich bin mir ziemlich sicher, Julia hätte sich auch aufgeregt, dass Romeo auf der Couch liegt, während sie die Wäsche abnehmen muss. Aber soweit ist es ja leider nicht gekommen.“ In meinem Kopf drehte sich inzwischen alles. Ich hatte einen Abend mit der Liebe verbracht und war kein bisschen schlauer als vorher. Trotzdem überlegte ich, der Dame noch meine Adresse zuzustecken, damit sie mich vielleicht schneller fand. „Ach Kind“, sagte sie, als hätte sie meine Gedanken gelesen, „bevor ich ins Spiel komme, muss es ja erstmal zwei Menschen geben, die überhaupt aufeinander treffen und dann müssen die sich auch noch riechen können. Da müssen also erstmal der Zufall und die Chemie ihre Arbeit tun. Ich bin dann der Schmetterling, der für das Flattern sorgt. Aber warte nicht auf mich, ich weiß nicht, ob ich’s schaffe.“ Mit diesen Worten verschwand die Liebe in einem dunklen Hofeingang und ward nicht mehr gesehen. Zumindest nicht von mir.