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Krone der Schöpfung

Der Mensch sieht sich wohl zweifelsohne
als der Schöpfung güldne Krone
Ob nun vom lieben Gott erschaffen
oder von Darwins wilden Affen,
seit er den Fuß auf diese Welt gestellt,
der Mensch sich für den Helden hält.

Hat er doch das Rad erfunden
und Full-time Jobs mit Überstunden.
Roboter, Handys und Maschinen
lässt er heute für sich dienen.
Schickt Sonden in den Orbit raus
und Drohnen übers Nachbarhaus.

Er kann digitalisieren
und sein Sperma tiefgefrieren.
Zudem kann er Atome spalten,
Motoren auf Hybrid umschalten
und weiß von Krankheit zu genesen.

Der Mensch, das schlaueste aller Wesen
hat zwar die DNA geknackt,
doch wenn im Park sein Hündchen kackt
wird Homo sapiens erneut zum Sammler.
Und der Schöpfer fassungslos die Hände überm Kopf zusammenschlägt,
weil sein Meisterwerk in einem rosa Plastiksäckchen
die Exkremente seines Hunds spazieren trägt.

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Sport?

Sport?“, fragte mein Leben und zog eine Augenbraue hoch, „Nun, sagen wir so, wir pflegen eine freundschaftliche Beziehung, der Sport und ich.“ „Und warum ist da nie mehr daraus geworden?“, fragte ich, und mein Leben antwortete mit einem bedeutungsvollen Seufzer, als handle es sich um das Ende einer ganz großen Romanze: „Ach weißt du, es gibt einfach keinen Platz für ihn. Er kann mich nicht glücklich machen. Alles, was er von mir will ist Zeit und Energie und die kann ich ihm nicht geben. Ich habe tausend andere Sachen zu tun und kann ihm nicht die Aufmerksamkeit schenken, die er von mir verlangt. Arbeiten, Einkaufen, Wäsche waschen, das allein schlaucht ja schon. Und dann soll ich mich auch noch um ihn kümmern? Nein, das geht nicht. Dafür reicht die Kraft nicht.“
Mein Leben machte eine nachdenkliche Pause und fügte dann in leidvollem Ton hinzu: „Es setzt mich einfach unter Druck, wenn er mit mir zusammen sein will. Er verlangt so viel Ehrgeiz. Ehrgeiz entwickle ich höchstens beim Mensch-ärgere-dich-nicht-Spielen. Er will, dass ich an meine Grenzen gehe. Wozu, frage ich mich? Was soll ich da? Wo es mir doch entspannt auf der Couch viel besser geht.“ Ich nickte verständnisvoll und bohrte nach: „Habt ihr es denn nicht mal miteinander versucht?“ „Doch, doch“, bestätigte mein Leben, „mehrfach sogar. Mit Rollenspielen hat er versucht, mich zu überzeugen, doch keine Sportart rief irgendeine Form von Begeisterung in mir hervor. Wasserspringen endete mit Höhenangst und Bauchklatschern, beim Handball lief ich eifrig zum falschen Tor, Krafttraining bescherte mir Kopfschmerzen und beim Yoga kippte ich um oder schlief ein.“ „Das ist ja eher blöd dann“, sagte ich und schwieg nachdenklich.
Mein Leben hingegen fuhr fort: „Überall wird davon geredet, wie bedeutsam er sei. Er wird gehypt wie ein Superstar. Und dann diese Groupies, die behaupten, nicht ohne ihn leben zu können, so viele Anhänger, die ihm frönen, sich ihm unterwerfen, alles in seine Dienste stellen. Das ist doch absurd. Ich kann ihm nicht mal zusehen, wenn er im Fernsehen läuft.“ Mein Leben klang nun etwas frustriert. „Wir sind einfach nicht füreinander gemacht.“
Es herrschte eine Weile Stille, dann fragte ich vorsichtig: „Habt ihr noch Kontakt?“ „Wir sehen uns gelegentlich. Das ist dann aber eher eine oberflächliche Geschichte.“ „Und das war’s dann? Nie wieder Sport?“, ich schaute mein Leben fragend an, „Ich meine ja nur, also, wir werden ja auch nicht jünger und -“, ich stockte auf der Suche nach den richtigen Worten, „also, ähm, der Bauch und der Po, zum Beispiel, die verlieren ja schon etwas an Form mittlerweile und, also, ich glaube, die Gesundheit freut sich auch, wenn der Sport öfter mal vorbeischaut. Vielleicht gibst du ihm doch noch eine Chance?“ Ich versuchte ein motivierendes Lächeln und blickte mein Leben erwartungsvoll an. Es dauerte eine Weile, bis es reagierte: „Dann soll er sich aber was einfallen lassen.“

 

Alltag

7.30 Uhr. Die Musik meines Weckers reißt mich aus der Traumwelt. Kaum, dass ich die Augen einigermaßen geöffnet habe und mein Gehirn seine Arbeit langsam aufnimmt, sehe ich ihn schon am Bettrand stehen. Meinen Alltag. In einem dunkelblauen, etwas zu kleinen Anzug steht er da, frisch gestriegelt und voller Erwartung, wie ein Schulkind vor dem ersten Schultag. „Guten Morgen“, sagt er motiviert. Wie jeden Morgen. Mit seinem Klemmbrett in der Hand wippt er ein wenig ungeduldig auf den Fersen auf und ab und wartet, bis ich mich aus dem Bett gepellt habe. Ich weiß genau, was jetzt kommt. Er hat schon alles vorbereitet. Darum nimmt er mich an die Hand und ich folge ihm schlurfend ins Badezimmer. Jeden Tag hat er ein Programm für mich, jeden Tag die Abläufe genau durchgeplant. Er macht das sehr liebevoll. Nur, es ist jeden Tag dasselbe Programm. Die Abläufe sind jeden Tag identisch. Anziehen, frühstücken, zur Arbeit fahren, arbeiten, nach Hause fahren, essen, Haushalt, duschen, schlafen. In dieser Hinsicht hat mein Alltag etwas Zwanghaftes, ja fast Autistisches. Es muss alles genau so gemacht werden wie am Tag davor. Schon bei kleinen Abweichungen wird er nervös und kommt aus dem Konzept. Irgendwie tut er mir leid, wie er so gefangen ist, und ich möchte ihn zwicken, herausholen aus seiner Mühle, ihn fordern. Aber wie?

Sobald ich kurz innehalte um zu überlegen, wie ich ihn überraschen könnte, hat er mich schon wieder am Arm gepackt und sanft zum nächsten Programmpunkt geschoben. „Es muss ja doch gemacht werden“, sagt er dann schulterzuckend. „Aber können wir denn nicht mal was anders machen?“, frage ich, „Muss es immer so sein wie am Tag davor?“ „Manchmal ist das Wetter anders“, gibt mein Alltag zurück, als ob diese Tatsache Veränderung genug sei. Ich bleibe hartnäckig: „Mein Gehirn wird doch gar nicht mehr richtig gefordert, wenn es nur Dinge tut, die es schon hundertmal getan hat, immer in derselben Abfolge.“ „Naja, warum bitte solltest du dich auch VOR dem Duschen abtrocknen wollen? Das macht ja gar keinen Sinn. Oder auf dem Fahrrad Zähneputzen, das ist glaube ich nicht erlaubt.“ Ich verdrehe die Augen, weil mein Alltag so verstockt ist. „Sei froh, dass du mich hast,“ sagt er dann, „ich gebe deinem Tag Struktur.“ „Besten Dank“, erwidere ich, „aber ich bevorzuge das kreative Chaos.“ „Weißt du, wieviel Energie es kosten würde, jeden Tag neu zu überlegen, was alles ansteht und in welcher Reihenfolge es am sinnvollsten zu erledigen ist?“ „So schlimm kann das nicht sein“, gebe ich zurück, „kein Abenteurer weiß vorher was der Tag für ihn bereithält. Kein Abenteurer erlebt zweimal denselben Tag.“ „Das vielleicht nicht, aber auch Abenteurer müssen sich die Zähne putzen.“ Alltage sind so realistisch.

Manchmal möchte ich mich auf den Boden setzen wie ein stures Kind, das keine Lust hat, den stumpfsinnigen Aufforderungen der Eltern nachzukommen. Dann träume ich von einem Leben im anarchischen Reich der Alltagslosen, wo die lästigen Routinen von kleinen Alltags-Gnomen, sogenannten Routiniers, übernommen werden und man selbst endlos Zeit hat, Luftschlösser zu bauen, Schmetterlingen hinterherzujagen oder Purzelbäume zu schlagen. Paradiesisch. Aber sogleich steht mein Alltag neben mir und ermahnt mich zu mehr Disziplin.

Es scheint, als müsse ich mich mit ihm arrangieren. Vielleicht ist ja gerade er das Abenteuer. Abenteuer Alltag, so sagt man doch. Vielleicht muss ich nicht ihn ändern, sondern meine Einstellung zu ihm. Er ist ja schließlich nur für die Abläufe zuständig, die Inhalte darf ich immer noch selbst gestalten. Vielleicht muss ich also dem sturen Kind in mir einfach ein wenig mehr Spaß bieten, damit es den Aufforderungen nachkommt. Ein Tänzchen beim Zähneputzen. Beim Kochen Podcasts hören. Vielleicht muss ich einfach versuchen, die betonierten Pfade meines Alltags etwas zu begrünen, ein paar bunte Blumenkästen hier und da aufstellen. Auf dem Heimweg spontan vom Fahrrad in den Fluss springen. Oder einfach direkt zum Kino weiterfahren.
Wenn ich also in seine Abläufe gelegentlich kleine Prisen Freude, Spontanität und ein Quäntchen Verrücktheit streue, dann bewahrt mich das vor dem gefürchteten Abstumpfen, ohne dass ich seinen Job gefährde.

Zeit zum Abendessen“, ruft mein Alltag und tippt dabei mit dem Stift bedeutungsvoll auf sein Klemmbrett. „Na gut“, sage ich und lasse mich diesmal bereitwillig von ihm an die Hand nehmen. Schließlich warten auf mich ein paar Luftschlösser, die ich gleich aus den Löchern im Käse bauen werde.

How to be durchschnittlich

Podcast #278
Wie Ihr mehr Durchschnittlichkeit in Euer Leben bringt

Hallo Ihr Lieben da draußen,
es ist echt total schön, dass Ihr wieder dabei seid! Auch heute möchte ich meinen belanglosen Senf zu einem bedeutungslosen Thema abgeben. Ich möchte eine wunderschöne Erfahrung mit Euch teilen, die mein Leben grundlegend verändert hat. Ich möchte Euch heute zeigen, wie man ein Leben wirklich und wahrhaftig in Durchschnittlichkeit führen kann. Es ist möglich!

Dafür möchte ich Dir ein Tool an die Hand geben, welches auch Dein Leben transformieren wird. Mit diesem Tool wirst Du es schaffen, aus der spirituellen Tiefe herauszukommen und Dich zurück auf eine banale Ebene zu führen. Auf dieser Ebene der vollkommenen Durchschnittlichkeit wirst Du weder kraftvolle Visionen noch Träume haben. Befreit von Inspiration und Kreativität wirst Du Dein Potenzial nicht ansatzweise ausschöpfen und dadurch das Leben leben, welches für Dich vorgesehen ist: ein Leben in Durchschnittlichkeit.

Auch ich bin diesen Weg gegangen, habe mich von Individualität und Perfektionismus losgesagt, um zu sein, wie Millionen anderer Menschen: durchschnittlich, nichts besonderes, nahezu spießig langweilig. Dieser Weg ist nicht einfach, aber er lohnt sich.
Deshalb habe ich hier 5 leicht umsetzbare Tools zusammengestellt, die Dir dabei helfen sollen, das Durchschnittlichsein auch in Deinem Leben zu implementieren:

#1 Träume nur nachts!
Lebe nicht Deinen Traum, sondern Dein Leben. Träumen kannst Du, wenn Du schläfst, tagsüber gilt es, sich um wirklich wichtige Dinge zu kümmern: den Abwasch, die Wäsche, den Einkauf. Als durchschnittlicher Mensch lebst du nicht im Wolkenkuckucksheim sondern in der Realität. Befrei Dich von der Last Deiner unerreichbaren, kraftzehrenden Visionen und tauche ein in die Vielfalt von banalen, wahrhaftigen Erfahrungen, die der schnöde Alltag für Dich bereit hält.

#2 Sei ineffizient!
Disziplin ist der Feind der Versuchung. Statt stur Deinen Zielen hinterherzulaufen, lass Dich lieber von der Versuchung an wunderbare Orte führen. Darum: Sei ineffizient, mach, was auch immer Dir gerade in die Finger fällt. Bleib bei youtube hängen. Döse. Lass Dich ablenken. Wenn Du Dich von Deiner Umwelt zu den nächsten Schritten inspirieren lässt, kommst Du an Ziele, die Du mit Disziplin nie erreicht hättest.

#3 Sei zufrieden!
Wer ständig Ansprüche an das Leben stellt, muss immer für deren Erfüllung kämpfen. Durchschnittliche Menschen sparen sich diese Energie, indem sie annehmen, was kommt. Betrachte Zufriedensein als das neue Streben. Es ist deutlich weniger anstrengend als ständiges Streben nach etwas Besserem. Trau Dich, auch mal nicht besonders gut zu sein und Du wirst die tiefgreifende Erfahrung machen: Mittelmaß reicht zum Überleben.

#4 Sei sinnlos!
In der Dunkelheit der spirituellen Tiefen ist es schwierig, einen Sinn zu finden. Finde Erleuchtung auf einer realen Ebene, indem Du das Leben als das annimmst, was es ist: sinnlos. Deine Welt wird um so vieles einfacher, wenn Du einsiehst, dass Dein Tun keinen tieferen Zweck erfüllen muss. Warte nicht auf Inspiration. Durchschnittsmenschen sind zu nichts Höherem geboren, als zum Sein.

#5 Bleib unbeachtet!
Sei ehrlich zu Dir selbst: niemanden interessiert, was Du tust. Befrei Dich von der Illusion, etwas Besonderes sein zu müssen und Dir wird eine Last genommen. Schwimm mit dem Strom, rage nicht heraus, sei wie alle anderen. Spar Dir die Mühe der Individualisten, die mit allen Mitteln versuchen, Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen. Durchschnittsmenschen brauchen keine Likes, sie haben Freunde.

Also, ich kann Dich nur motivieren, diesen Weg zur Durchschnittlichkeit zu gehen! Werde ein Otto Normalverbraucher, sei Hinz oder Kunz, oute Dich als Max Mustermann oder Lieschen Müller! Entdecke diese neue Art des Daseins!

Seit ich durchschnittlich bin, ist mein Leben voll von ganz tollen Erlebnissen, die mich überhaupt nicht weiterbringen, z.B. stelle ich mich immer an der falschen Kasse an, und ich kann nur sagen, das ist eine wunderbare Erfahrung, denn es bringt mich zurück zu den Wurzeln, zu den Basics, die das echte Leben ausmachen.

Jetzt ist es an Dir, Dich in Durchschnittlichkeit zu üben. Dafür musst Du weder produktiv noch achtsam, weder diszipliniert noch kreativ sein. Sei einfach talentfrei, mittelmäßig, uninspiriert, dann bist Du auf dem richtigen Weg! Und wirst vielleicht auch bald Teil unserer Durchschnitts-Community. Für mehr Infos klicke einfach auf den Link zur Ordinary-University, dort findest Du vertiefende Kurse zum Thema Durchschnittlichsein in verschiedenen Lebensbereichen, z.B. „Verreisen wie Jedermann“, „Mittelmäßig im Job“ oder „Gewöhnliche Beziehungen“.

So Ihr Lieben, das wars von mir. Ich fand’s total schön, dass Ihr diese einzigartige Erfahrung mit mir geteilt habt. Bitte gebt mir keine Bewertung, spart Euch die Kommentare, nutzt die Zeit zum Popeln und an die Decke starren. In diesem Sinne: Just be ordinary.

Hier habe ich noch einige durchschnittliche Erfahrungen aus der Community zusammengestellt:

  • Ich lieg in Jogginghosen auf der Couch und mache kein Foto davon.

  • Ich geh einem 9-5 Job nach, krasses Gefühl diese Sicherheit und Routine. Kann es nur empfehlen!

  • Ich esse mein Müsli ohne Gojibeeren, Chiasamen und Amaranth. Oder ich esse ein Nutellabrot. Das ist Superfood genug.

  • Ich habe meinen Traumkörper gefunden. Auf der Website des Fitnessstudios.

  • Meine Morgenroutine: die Snooze-Funktion meines Weckers betätigen. Immer und immer wieder.

  • Ich habe hunderte von Followern. Morgens auf dem Weg in die U-Bahn.

Hilfe, ich bin glücklich

Liebes Dr. Winter-Team,
ich bin einfach glücklich mit meinem Leben. Was stimmt mit mir nicht? Bitte helft mir, ich glaube, ich bin nicht normal.        F. aus M.

Liebe F.,
es ist tatsächlich etwas ungewöhnlich, dass jemand „einfach glücklich“ ist, aber es gibt noch keinen Grund zur Sorge. Jeder Mensch hat gelegentlich Anzeichen einer positiven Verstimmung, die mit einer optimistischen Sichtweise auf die Welt, einem erhöhten Selbstwertgefühl sowie einer inneren Zufriedenheit einhergehen. Solange diese Symptome nicht von Dauer sind, ist die Verstimmung nicht schwerwiegend.

Du solltest zuerst einmal herausfinden, welche Gründe hinter deinem frohen Gemüt stecken könnten. Hast du etwa eine funktionierende Beziehung oder bist zufrieden mit deinem Job? Erst wenn du weißt, was die Quelle deines Glücks ist, kannst du daran arbeiten, es im Zaum zu halten. Viele dieser Ursachen entpuppen sich nämlich bei genauerer Betrachtung als gar nicht so rosig. Es findet sich immer Potential für Unzufriedenheit.

Versuche daher, in besonders glücklichen Situationen öfter auch das Negative und die Schattenseiten zu sehen. Hier hilft z.B. das Dramatisieren von Nichtigkeiten, ein Streit oder eine Portion Neid. Das schüttet genügend Stresshormone aus, um wieder schlecht gelaunt zu sein und die Aufwärtsspirale zu unterbrechen.

Glückliche Menschen können mit ihrer permanent guten Laune nämlich schnell in die Isolation geraten, da andere oft nicht wissen, wie sie mit Zufriedenen umgehen sollen. Viele wollen sich einfach nicht von der positiven Stimmung heraufziehen lassen und meiden frohe Mitmenschen. Gerade im negativ geprägten Alltag fühlen sich glückliche Menschen dann oft unverstanden und hilflos.

Sollte dein Zustand länger als 2 Wochen andauern, such bitte einen Psychotherapeuten auf. Der kann dir mit Gesprächen und im Ernstfall auch mit stimmungssenkenden Mitteln helfen, deine Glücksgefühle in den Griff zu bekommen, bevor sie chronisch werden. Aber sei unbesorgt, du hast dein Problem frühzeitig erkannt und damit schon den ersten Schritt zur Besserung getan. Vergiss nicht: Think negative!

Dein Dr. Winter-Team

#bumsfidel #keinechancedemmiesepeter

Die Wellen des Lebens

„Ich habe einen Surfkurs gebucht und warte gerade auf meinen Surflehrer, der mir erklären soll, wie man auf dem Meer des Lebens richtig wellenreitet. Denn das Leben ist ein Ozean. Wir können darin untergehen. Oder wir können auf den Wellen tanzen. Aber wir müssen uns hineinstürzen…“

Stürzt Euch hier hinein in meine neue Kolumne bei emotion.de

Die Jagd nach dem Glück

“Schau mal, wir sind zu einer Jagdgesellschaft auf einem edlen Landgut eingeladen“ überraschte ich mein Leben letzthin. Eine solche Gelegenheit darf man sich natürlich nicht entgehen lassen! Ich sah mich schon mit einer Trophäe aus unendlichem Glück zurückkehren. 

Ob unsere Jagd nach dem Glück erfolgreich war, lest Ihr hier in meiner neuen Kolumne bei emotion.de

Rücksicht ist aus

„Sag mal, sind wir eigentlich die einzigen, die noch ein bisschen Anstand haben?“, fragte mich mein Leben neulich. „Die haben wohl alle ihre Tugenden zuhause gelassen. Vielleicht können wir ja ein paar besorgen und sie verteilen“…

In meiner neuen Kolumne bei emotion.de versuche ich mal wieder, die Welt ein Stückchen besser zu machen. Aber versucht mal, an Tugenden zu kommen…gar nicht so einfach.

Hier geht’s zum Text

Hinterm Komforthorizont

Achtung! Sie verlassen nun die Komfortzone“ stand in großen, grellen Lettern an einer überdimensionalen Warntafel am Ende des Weges. Mein Leben und ich hatten uns bis hierhin durchgeschlagen, durch Dickicht und Gestrüpp, denn feste Wege gab es nicht. Wenn wir unterwegs Leute nach der Grenze der Komfortzone fragten, zuckten sie entweder mit den Schultern oder winkten eilig ab, als ginge es um ein Gebiet, in dem man sich besser nicht aufhielte. Doch wir waren unserem Gefühl gefolgt und nahmen die zunehmend unbequemer werdenden Wege, bis wir schließlich an diesem verlassenen Grenzposten ankamen. Eine Schranke, ein heruntergekommenes Wächterhäuschen und ein Grenzstein markierten den Übergang vom Land der Gemütlichkeit und Gewohnheit zum Land der unsicheren Möglichkeiten.

„Na bitte, da wären wir“, stellte mein Leben zufrieden fest, „war doch gar nicht so schwer.“ In diesem Moment trat aus dem winzigen Verschlag ein grimmig blickender Mann mit Schnauzbart, der seine altertümliche Uniform zurechtrückte und uns musterte. Offensichtlich der Grenzwächter. „Ham’se sich verlaufen?“ fragte er, als ob die bewusste Entscheidung für eine Grenzüberschreitung völlig unrealistisch war. „Nein, nein“, erwiderte mein Leben und fügte schelmisch hinzu: „wir wollen mal rübermachen.“ Dabei lachte es grunzend über seinen eigenen Witz. Den Grenzwächter beeindruckte das wenig: „Na wenn’se meinen. Der Spaß wird ihnen schon noch vergehen.“ Mein Leben wurde sofort wieder ernst und auch ich schaute etwas skeptisch auf die andere Seite der Schranke. Doch ich konnte nichts erkennen. Eine Wand aus Milchglas blockierte den Blick auf das, was sich wohl in diesem ominösen Land hinter dem Komforthorizont verbarg.

„Dann isses aber meine Pflicht, sie auf die Gefahren hinzuweisen“, sagte der Schnauzbart und zog eine Broschüre aus seiner Brusttasche. „Bitte lesen’se dit aufmerksam durch.“ Er reichte uns das Papier. ‚WARNHINWEIS‘ war darauf zu lesen und darunter eine Liste mit potentiellen Gefahren: „Mit dem Verlassen der Komfortzone verlassen Sie gewohntes und sicheres Gebiet. Der Eintritt in die Gefahrenzone erfolgt eigenverantwortlich und bedeutet ein nicht vorhersagbares Risiko. Sie müssen mit dem Auftreten von Unerwartetem und Unplanbarem rechnen und demzufolge mit erhöhter Anstrengung und Unbequemlichkeit. Außerdem werden Sie in hohem Maße mit Ängsten konfrontiert. Der Aufenthalt in der Gefahrenzone erfordert ständige Überwindung. Zutritt erhält nur, wer über seinen eigenen Schatten springt. Für eventuelle Schwankungen ihres Wohlbefindens wird keine Haftung übernommen.“

Ich ließ den Zettel sinken. „Ähm, wollen wir nicht vielleicht doch lieber hier bleiben?“, fragte ich vorsichtig, „Ich meine, es lebt sich doch ganz gut hier.“ „Ach Quatsch, den Mutigen gehört die Welt“, flötete mein Leben. „Aber hier weiß ich, was ich hab. Wozu muss ich mich denn unnötigen Risiken und Anstrengungen aussetzen?“ „Weil Bequemlichkeit dich nicht weiter bringt. Neue Erfahrungen kannst du nur da draußen machen.“ Mein Leben deutete auf das unsichtbare Gebiet hinter der Schranke. Mir war nicht wohl dabei: „Aber da weiß ich doch gar nicht, was mich da erwartet.“ „Eben“, sagte mein Leben, „das macht es ja so spannend. Denn stell dir vor, es könnten ja auch wundervolle Dinge passieren. Unerwartet ist nicht immer negativ. Du könntest neue Impulse bekommen, die dich inspirieren, Menschen treffen, die dich begeistern, Erlebnisse sammeln, die dich beflügeln. Wer nicht wagt, der nicht gewinnt.“ „Kann schon sein“, erwiderte ich, „aber der Einsatz ist ziemlich hoch und der Gewinn nicht garantiert.“ „Siehste“, schaltete sich der Grenzwächter ein, „geht schon los mit den Ängsten. Also für mich wär dit nix. Ick mach den Job hier seit 36 Jahren und ick bin zufrieden. Ick brauche die Aufregung nich. Ick hab‘ lieber meine Ruhe.“ „Naja, zur Ruhe kann man ja immer wieder zurückkehren“, sagte mein Leben, „die Komfortzone als Basislager sozusagen. Aber zwischendurch sollte man schon das ein oder andere Abenteuer erleben.“ „Ach, dit ganze Tamtam, braucht doch keener.“ Der Herr in Uniform war nicht zu überzeugen. „Tja“, meinte mein Leben, „das Problem ist, dass Adrenalin und Dopamin leider nur außerhalb der Komfortzone gehandelt werden.“ „Mir ist dit ausländische Essen sowieso immer suspekt“, sagte der Schnauzbart und schaute auf die Uhr. „Mittagszeit, ick hol mal meine Stulle.“

Mein Leben und ich standen an der Schranke und schauten ins Ungewisse. Ich verspürte ein wenig Abenteuerlust in mir aufsteigen, aber eine Sache wollte ich noch wissen. „Was genau bringt mir das?“, fragte ich und mein Leben blickte mich strahlend an. „Was dir das bringt? Nun, um es kurz zu sagen: Wachstum, Erfahrungen, Glücksgefühle, Erinnerungen.“

Also gut, dann lass es uns wagen. Was kann uns schon passieren?“, mutig wendete ich mich zum Aufbruch. „Jedenfalls nichts Schlimmes“, antwortete mein Leben und pfiff nach dem Grenzwächter. Dieser kam kauend und mit seiner Stulle in der Hand aus seinem Verschlag geschlendert und schaute fragend. „Hätte der Herr wohl die Güte, uns die Schranke zu öffnen?“, sprach mein Leben salbungsvoll. Der Angesprochene bekam große Augen und hörte mit dem Kauen auf: „Echt jetze?“, mampfte er. „Jawoll, auf, auf!“, rief mein Leben. „Aber halt“, der Grenzwächter wurde ernst, „Passkontrolle. Ihr müsst erst über euren Schatten springen.“ Ich hatte keine Ahnung, wie das funktionieren sollte, aber wir positionierten uns vor unserem Schatten und auf drei sprangen wir gemeinsam. Der Schatten blieb tatsächlich hinter uns. „Ihr meint es wirklich ernst“, staunte der Grenzkollege, „na denn gute Reise, die Herrschaften! Da bin ick ja mal gespannt!“ Er kurbelte die Schranke hoch und winkte uns hinterher, während wir abenteuerlustig die ersten Schritte ins Unbekannte machten.

Auf magische Weise eröffnete sich plötzlich vor uns der Weg. Am Wegesrand tauchten jubelnde Menschen auf, die uns anfeuerten und wie bei einem Marathonlauf kleine Trinkflaschen herüberreichten. Wie sich herausstelle, waren in diesen Fläschchen unsere ersten wohldosierten Rationen Adrenalin.

Anders als erwartet war der Weg eben und ohne Hindernisse, die gefüchteten Gefahrenstellen waren nirgends erkennbar, stattdessen wurde unser Gehirn geflutet mit neuen positiven Eindrücken. In unserem Kopf ratterte, blitzte und zischte es, wir konnten förmlich spüren, wie im Sekundentakt neue Synapsen gebildet wurden. Mit jedem Kilometer überraschten wir uns selbst. Wir probierten Neues aus. Wir kamen mit Menschen ins Gespräch, wo wir doch dachten, wir seien schüchtern. Bei der Routenplanung ließen wir uns von unserem Gefühl leiten, um dabei festzustellen, zu welch wunderbaren Orten uns das führte. Passende Transportmittel und Herbergen zu finden, sahen wir als Herausforderung, nicht als Hürde. Sich in diesem fremden Land alleine durchzuschlagen und zu merken, wie einfach das war, reichte schon, um jegliche Ängste vergessen zu lassen. All die Gespenster und Monster, gegen die wir glaubten kämpfen zu müssen, hatten sich in Luft aufgelöst. Stattdessen begegneten uns täglich neue, wunderbare Erlebnisse. Wir machten Erfahrungen, die man nur fernab der Komfortzone machen kann. Und das Beste war: Dopamin gab es kostenlos an jeder Ecke. Aber noch etwas wurde hier reichlich ausgeschenkt: Selbstbestätigung. Das Gefühl zu wachsen. Wir hatten gewagt und wir hatten gewonnen.

Die Gefahrenzone wurde zum Abenteuerland, in das wir nun häufig Ausflüge unternahmen. „Ah, ihr schon wieder“, waren die Worte des Grenzwächters, immer wenn er uns kommen sah und für uns die Schranke hochkurbelte. Jedes Mal, wenn wir zurückkehrten und er uns fragte, was wir zu verzollen hätten, öffneten wir den großen Koffer mit den Erlebnissen, die zu unbezahlbaren Erinnerungen geworden waren und berichteten ihm ausführlich von den bunten Eindrücken, den wunderbaren Freunden, die wir gefunden hatten und der Erkenntnis, dass sich immer neue Türen öffnen, sobald man einmal den Weg eingeschlagen hat.

Irgendwann ließ er die Schranke einfach offen und winkte uns freudig und mit erhobenem Daumen durch. Und eines Tages war er nicht mehr da. Das Häuschen stand verlassener als je zuvor. Keine Spur von unserem Schnauzbart. Bis auf einen Zettel, der an der geöffneten Schranke klebte. Auf der Broschüre mit dem Warnhinweis hatte er mit Kugelschreiber eine Nachricht hinterlassen: „Wollte dann auch mal rübermachen. Danke für alles! Man sieht sich!“