Archiv der Kategorie: Lyrisches

Es war die Amsel

Wenn eine Amsel nachts um drei

so tut als sei’s ihr einerlei,

dass Menschen dort in warmen Betten

doch gerne ihre Ruhe hätten,

– zumal um diese Zeit –

und tiriliert voll Fröhlichkeit

auf einem Baume vor sich hin,

dann macht das wirklich keinen Sinn

– erstrecht im Februar –

Doch die Erklärung ist ganz klar:

Besagte Amsel hat in dieser Nacht

ja selbst kein Auge zugemacht,

denn sie kam zuvor von einem weit entfernten Fleck

und litt drum noch am Jetlag.

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James Bond meets Erlkönig

Erl Bond

Wer reitet so spät durch Nacht und Wind
Es ist James Bond auf einem Rind
Er hält ganz fest in seinen Armen
Eine Frau, sie nennt sich Carmen.

„Chérie, was birgst du so bang dein Gesicht?“
„Siehst James du den Verfolger nicht?
Den Eisenbeiß mit Chrom so bleich.“
„Ganz ruhig Chérie, das ham wir gleich.“

‚Du blödes Rind, jetzt lauf doch zu,
ich will mit Carmen meine Ruh.
Unter Palmen schön am Strand
Und sie im knappen Schwimmgewand.’

„Oh James, oh James, jetzt tu doch was!
Er kaut an einem Pulverfass!“
„Chérie, jetzt sei mal nicht genervt,
das hab ich doch schon längst entschärft.“

‚Was hätt ich sie jetzt gern verführt!
Beim Glas Martini, nicht gerührt,
zusammen dort im Mondenschein
da fiel’ mir schon was Nettes ein.’

„Oh James, oh James, und siehst Du nicht dort
Seine Komplizen am düstern Ort?“
„Chérie, Chérie, Du hast ja recht,
doch sind die noch tot vom letzten Gefecht.“

‚Ich liebe sie, mich reizt ihre schöne Gestalt,
doch hoffentlich hält sie die Klappe bald!’
„Oh James, oh James, wie stellst du dich an?
Eisenbeiß ist an uns dran.“

Dem Bond dem reicht’s, er reitet geschwind,
unter ihm läuft das ächzende Rind.
Er löst den Schuss in seiner Not,
in seinen Armen Carmen tot.

Morgens

Morgens früh um sechs Uhr zwanzig
Bin ich gewöhnlich noch recht ranzig.
Der Wecker stört im Schlafe mich
Doch stört dieses den Wecker nicht.
Er schreit mir gnadenlos ins Ohr:
„Komm unter deiner Decke vor!
Der Tag ist da, vorbei die Nacht,
hopp hoch mit Dir und aufgewacht!“

Ich öffne zaghaft meine Lider
die schließen sich jedoch gleich wieder.
Der Fuß wagt einen Blick nach draußen,
doch packt ihn da das nackte Grausen.
Aufgrund der Morgenluft der kalten,
rät er mir mich bedeckt zu halten.
Na gut, denk ich, und dreh mich noch mal um.
Und wünsche mir mein Wecker wäre stumm.

„Holladrio, ein schöner Morgen,
wohlan, es gibt viel zu besorgen!“
Ermahnend sagt er mir die Zeit,
ich bin jedoch noch nicht so weit.
An Motivation muss es mir fehlen,
sonst würde ich mich nicht so quälen.
Das Hirn schickt keinerlei Signale,
es herrscht noch Nacht in der Zentrale.

Nur die Vernunft, ganz in der Tiefe,
weiß, was geschäh’ wenn ich verschliefe.
Mit zarten Worten der Erweckung
holt sie mich aus der warmen Deckung.
Ihr Stimmchen spricht bedacht und weise:
„Beende langsam die Traumreise.
Vergiss nicht: aufstehen musst du sowieso,
denn du musst nämlich mal aufs Klo.“

Single-Klingel

Angenommen Du bist Single,
s
itzt zuhaus’, starrst auf die Klingel,
w
artest so, nicht erst seit heute,
d
ass die große Liebe läute.

Wenn es dann schon einmal schellt,
dein Herz fast in die Hose fällt.
Doch nein, ein Pizzatyp will nur
zum Flyerlegen in den Flur.

Falls Du es wagst mal auszugehen,
um dort die Liebe zu erspähen,
so wird die Hoffnung jäh zersiebt,
weil’s scheinbar nur noch Pärchen gibt.

Zum Glück bleibt noch das Internet.
Versuchst Du’s eben mal im Chat.
Doch spätestens beim ersten Date
w
ird klar: Dir fehlt Intimität.

Und sollte Dir ganz aus Versehen
i
m Schwimmbad gegenüberstehen
d
ie Liebe und sie lächelt knapp,
bist Du zu feige und tauchst ab.

So bleibst Du dann wohl weiter Single,
sitzt zuhaus, starrst auf die Klingel.
Doch irgendwie bist Du getrost:
das nächste Mal ist’s nicht die Post.

Füße

Pinguin

Ein Pinguin am Strande stand
Und es doch recht erbärmlich fand,
wie all die braungebrannten Macker
so tun als seien sie tierisch locker
und um die Gunst der Mädchen buhlen,
die sich halbnackt im Wasser suhlen.

Dazu die halbverbrannten Kinder
und Mütter breit wie 20 Rinder,
und erst die Rentner mit den Hüten
und Falten groß wie Plastiktüten.

Dann sabbert jeder noch ein Eis
garniert mit tröpfchenweise Schweiß.
Der Sand klebt einem überall
Es tönt Geschrei wie Überfall.

Was bin ich froh, denkt Pinguin,
dass ich hier nur geschäftlich bin.

by Lynn Gerlach
by Lynn Gerlach

Isidor

Isidor, der Elefant
las vergangene Woche Kant.
Seitdem sieht er in den Steppen
nur noch bildungslose Deppen.
Besonders Edelgard, das Gnu,
ist ne richtig dumme Kuh.
Oder Kalle Krokodil,
liegt da rum und macht nicht viel
(welch ein nutzloses Fossil).

Selbst Adelheid, die alte Schlange,
hat als Hirn wohl eine Spange.
Und erst Heiner Nilpferd dort:
steht stundenlang nur plump am Ort.

Isidor denkt: „Nicht die Flinte!
Was Du brauchst sind Gleichgesinnte.“
So kehrt er ab, spricht leis’ adé
und sucht ein Literaturcafé.

by Lynn Gerlach
by Lynn Gerlach